Der Volksaufstand gegen Stuttgart 21 hat sich angekündigt: Nirgendwo gab es so viele Bürgerbegehren wie im Süden. Dort existiert diese Form der Demokratie am längsten, dort sind die Hürden niedrig: In manchen bayerischen Städten genügen drei Prozent der Stimmen, und schon wird ein Bürgerbegehren zugelassen. So was gibt es sonst nur in Hamburg. (Um die Karte zu öffnen, klicken Sie bitte hier)

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Es ist kein Zufall, dass gerade Bürger in reichen Gegenden aufbegehren, wo viele Akademiker leben, sie wissen, wie es geht – und haben mehr als andere das, was Politologen "immaterielle Wünsche" nennen: Sie wollen weniger Lärm, keine Strahlung von Mobilfunkmasten (der Hit der Neunziger), keine Verunstaltung durch Windräder (der größte Hit seit drei Jahren).

Der Osten hat eher materielle Sorgen. Aber darüber kann man kaum abstimmen in der Kommunalpolitik. Es sei denn, ein westdeutscher Bauunternehmer kam nach der Wende und versuchte, der Gemeinde eine zu große Kläranlage aufzuschwatzen. Das wäre für die Bewohner teuer geworden. Sie stimmten für mehr Geld – und gegen Bevormundung.