Die Frage: Anke hat Peter auf einem Fest kennengelernt und ist begeistert. Er sieht gut aus, liest ihr die Wünsche von den Augen ab, ist längst nicht so verklemmt wie ihr letzter Freund, von dem sie sich vor einem halben Jahr getrennt hat, weil sie fürchtete, neben ihm selber langweilig zu werden. Der ging kaum vor die Tür, und wenn sie ihn einmal überredet hatte, ein Konzert zu besuchen, verdarb ihr sein kaum unterdrücktes Gähnen den Spaß.

Peter ist ganz anders, voller Ideen. Leider ist er auch oft pleite, er kann nicht gut mit Geld umgehen, wechselt öfter die Arbeit, weil er sich von seinen Chefs ausgenützt fühlt und es satt hat, dass diese seine Ideen als ihre eigenen ausgeben. Jetzt will er sich selbstständig machen. Alles, was er braucht, ist eine Bankbürgschaft – er fragt, ob Anke ihre Eigentumswohnung eintragen lassen würde.

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Ich kann Anke nur warnen. Verliebte Menschen neigen dazu, ihre eigenen Tugenden dem Partner zuzuschreiben; dabei ahnt Anke bereits, dass Peter ganz anders mit Geld hantiert als sie. Weiterhin haben Frauen nicht selten Schuldgefühle dabei, einen geliebten Mann in seinen Selbstüberschätzungen scheitern zu lassen. Wenn sie aber mit ihm scheitern, sind beide beschädigt, und die Liebe findet ein trauriges Ende.

Eine Bürgschaft zu übernehmen heißt, dass im Fall einer Insolvenz Anke mit dem eingetragenen Betrag haftet, im bösen Fall also am Ende genauso pleite ist wie Peter. Peter profitiert mehr von einer Freundin, die darauf achtet, dass sie ihr weniger von Höhenflügen und Abgründen bestimmtes Leben meistert, während er ein ums andere Mal grandios gegen die Wand läuft.

Wolfgang Schmidbauer ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Was er in seiner täglichen Praxis erfährt, lesen Sie im Interview mit ZEIT ONLINE.

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