Last check! Action! Fireball! Es knallt, eine Flamme faucht in die Nacht. Die Kamera rollt auf einen Polizeiwagen zu, im zuckenden Blaulicht tauchen langsam der Schauspieler Florian Lukas und die schöne Inderin Priyanka Chopra aus der Deckung auf... Klappe. Wieder eine Szene abgedreht für Don 2, den neuen Action-Thriller aus der indischen Traumfabrik. Es ist der erste, der in der deutschen Hauptstadt spielt; zum nächtlichen Feuerball kommt es an der Messehalle 9 – sie spielt die Deutsche Zentralbank.

Bollywood meets Berlin: 44 Drehtage dauert die Romanze schon, die der Regisseur Farhan Akhtar angebahnt hat. Neben ihm im Schneeregen sitzt, von einem Assistenten beschirmt, der Hauptdarsteller: Shah Rukh Khan . In Indien hat er fast den Status einer Gottheit erreicht; von Indonesien über die Türkei bis nach Kenia ist er so berühmt wie Brad Pitt oder Tom Cruise im Westen. Inzwischen liegen ihm auch europäische Liebhaber bonbonbunter Filme zu Füßen. Deren Herzen hat Shah Rukh Khan schon vor zwei Jahren bei der Berlinale mit der Ankündigung zum Klopfen gebracht, hier wolle er mal arbeiten. Nun ist er da und wartet auf seinen Einsatz als Gangsterboss in der Fortsetzung von Don 1 .

Dabei spielt "SRK", wie die Fans ihn nennen, sogar eine Doppelrolle: Neben dem Don ist er auch ein neues Maskottchen für die Berliner Tourismusförderung. Mit so was hat ein Plakatkönig Erfahrung, der in Indien für 34 Unternehmen Reklame macht und sowohl über Mumbais Slums als auch über Rajasthans sandigen Straßen schwebt.

Rund zwei Millionen Euro lässt es sich eine Interessenallianz aus der Hauptstadt kosten, dass bei den Verfolgungsjagden des Don der Gendarmenmarkt und das Brandenburger Tor im Bild sind. Ende 2011 wird Berlin dann auf den Leinwänden Tausender indischer Kinos zu sehen sein. Die Investition von Filmförderern und Stadtvermarktern lässt angeblich rund sieben Millionen Euro zurückfließen, die die Produzenten in Berlin ausgeben; in Zukunft sollen noch die Umsätze aus unzähligen Hotelbuchungen, Eintrittskarten und Souvenirkäufe hinzukommen. Denn Bollywood-Filme sind zwar zunächst nur mentale Traumreisen , doch wer es sich leisten kann in Asien, der reist gerne auch physisch dorthin, wo SRK schon war. Nach seiner Ankunft in Berlin ulkte der Superstar bereits: "Ihr werdet noch Probleme haben, all die Inder wieder loszuwerden!"

Berlin sei ihm "eine zweite Heimat geworden", sagt Khan charmant. Er wolle unbedingt wieder hier drehen, "aber dann im Sommer". Andererseits: "Ich spüre die Wärme vieler deutscher Körper, da ich ständig umarmt werde." Und Khan umarmt zurück. Schon morgens um fünf Uhr frieren seine Fans vor dem Hotel Mandala an der Potsdamer Straße. Sie kommen aus Moskau oder aus Tübingen, junge Inderinnen, die in Deutschland studieren, drängeln sich neben älteren Damen vom Bollywood Fan Club Cottbus. Auf geheimnisvollen Wegen kriegen sie trotz aller Abschottung heraus, wo gerade gedreht wird, und warten geduldig, bis sie mit ihm aufs Foto kommen.

Kurz vor der Abreise empfängt Khan zum Interview. Entspannt sitzt er auf dem Sofa einer Hotelsuite. Er wirkt schmaler als der Don, fast zierlich, das Haar ist sehr schwarz und auf strubbelig gestylt. Schon schnappt er sich das Aufnahmegerät vom Tisch, wie zum Diktat.

DIE ZEIT: Vor dem Hotel warten bereits Ihre Fans – geht es Ihnen nicht auf die Nerven, andauernd unter Beobachtung zu stehen?

Shah Rukh Khan: Nein, ich fühle mich beschämt dadurch, dass die Fans draußen in der Kälte auf mich warten. Man hat nie genug davon, ein Star zu sein. Genug hat man eher davon, dass man gerne ein Star wäre, und es klappt nicht. Ich hatte Glück, bin ein Star geworden, von Gott beschenkt, das sollte ich nicht missachten. Ein paar Umarmungen sind nicht viel, um die Leute die Wärme spüren zu lassen, die ich von ihnen bekomme.

ZEIT : Berlin ist zum ersten Mal Kulisse einer Bollywood-Produktion, aber Filme, die in London oder New York spielen, tragen schon lange den westlichen Lebensstil wohlhabender Mittelschichten in die indischen Dörfer. Beeinflussen sie die dortige Gesellschaft, nivellieren sie die Kulturen?

Khan : Ich glaube nicht, dass das Kino die Art verändert, wie wir leben oder lieben. Gute Filme sind wie Bücher: Man nimmt Gefühle mit, gute Sätze. Außerdem: So weit sind die Kulturen in Ost und West nicht voneinander entfernt. Wenn ich einen Film wie Das Leben ist schön anschaue , muss ich nicht mal die Sprache kennen, um zu verstehen: Hier geht es um die Liebe eines Vaters zu seinem Sohn. Genauso ist es für euch bei unseren Liebesfilmen: Zwei Seelen begegnen sich, man möchte vor Verliebtheit tanzen, das gibt’s überall auf der Welt. Wir drücken das halt etwas anders aus.

ZEIT : In Bollywood-Filmen wird heute sogar eine Scheidung akzeptiert. Verändert das nicht Indiens strenge Vorstellungen von Ehe und Familie?

Khan : Das ist ein Missverständnis. Vielleicht leben in Indien noch etwas mehr Menschen traditionell als hier. Aber tabu sind Scheidungen nicht.