Der prototypische Schachspieler hat normalerweise für nichts Sinn und Augen als für das quadratische Schachbrett mit seinen 64 Feldern vor ihm – da endet die Welt für ihn. Doch keine Regel ohne Ausnahme, wie das Arctic Chess Challenge im nordnorwegischen Tromsö beweist.

Da berauschen sich die 164 Teilnehmer aus 36 (!) Nationen am nächtlichen Farbenspiel des Himmels, da lädt der Hauptorganisator Sigmund Berglund auf seine Ranch mit Schafen, Ziegen und anderem Getier ein, grillt selbst und erfreut die Schachspieler, zusammen mit dem samischen Schachspieler und Musiker Lars Andreassen, mit seinem Gesang.

Da kommt der Australier Alex Wohl mit Fahrrad und Zelt aus Trondheim und schlägt in einer fantastischen "Hippopotamus"-Partie (bei dieser Eröffnung setzt man sich auf seine Hinterfüße und erledigt den Gegner schließlich mit einem Prankenhieb) den ukrainischen Großmeister Malakhato.

Da schlägt die Nummer eins der Welt, Magnus Carlsen, den Fußballnationalspieler Sigurd Rushfeldt aus Tromsö in einer Blitzpartie im Fernsehen. Und da gewinnt schließlich Mikhail Kobalia aus Russland vor Manuel León Hoyos aus Mexiko und Chanda Sandipan aus Indien das Turnier. Und alle kommen gerne wieder, allen voran mein alter finnischer Kampfgefährte Heikki Westerinen (66).

Gerade wurde die Schacholympiade 2014 nach Tromsö vergeben, alle Jubeljahre trifft der Weltschachbund auch gute Entscheidungen.

Mit welch "brutal-schöner" Kombination setzte Kobalia als Weißer in der letzten Runde den bis dahin führenden Holländer Loek van Wely matt?

Lösung aus Nr. 48:
Mit welcher "petite combinaison" gewann Schwarz am Zug? Nach 1...h4+! war Weiß verloren. 2.Kxh4 Df2+ 3.Kg5 Lf6+ wäre matt, doch 2.Sxh4 Le1+ 3.Kf3 Lxh4 büßte den Springer ein

Weitere Schachrätsel unseres Autors finden Sie im Buch: "Helmut Pfleger, ZEIT-Schachspalten. 120 amüsante Aufgaben mit überraschenden Lösungen aus DIE ZEIT"; Praxis Schach, Edition Olms 2009; 16,80 Euro