Ich freue mich jede Nacht beim Einschlafen auf meine Träume, ich kann sie kaum erwarten. Seit mein Vater gestorben ist, das war 2004, begegne ich ihm manchmal im Traum, kurz nach seinem Tod noch sehr häufig, inzwischen sind seine Besuche seltener geworden.

Mein Vater hat am Schluss in meinem Haus gewohnt, ich habe ihn in seinen letzten Lebensmonaten gepflegt, ihn angezogen, ihm den Hintern abgewischt. Kurz vor dem Augenblick seines Todes war ich in der unteren Etage – ich kam nach oben, als er kaum mehr bei Bewusstsein war. Trotzdem hoffe ich, dass er in seinen letzten Momenten wahrgenommen hat, dass ich an seinem Bett stand. Es macht mich sehr glücklich, meinen Vater in meinen Träumen noch mal zu sehen, ihn zu spüren, Zeit mit ihm zu verbringen.

Zum Film "Miral" - Julian Schnabel: "Ich filme, wie ich male" Der Künstler Julian Schnabel hat seinen vierten Film gedreht: die wahre Geschichte einer jugendlichen Palästinenserin in Israel. Mit ZEIT ONLINE spricht er über die Kunst im Filmemachen und das Glück in Freiheit leben zu können.

Was ich in meinen Träumen erlebe, ist für mich so real wie das, was im wachen Zustand geschieht. Daher mag ich auch Transatlantikflüge – durch den Jetlag entsteht ein ohnmachtsähnlicher Schlaf, als hätte mir jemand einen Baseballschläger auf den Kopf geschlagen.

Als mein Freund, der Maler Jean-Michel Basquiat, 1988 starb, sah ich ihn am nächsten Tag im Traum. Ich sagte zu ihm: "Ich wusste, das du nicht tot bist! Du bist viel zu clever und verarschst alle nur!" Später, als ich darüber nachdachte, einen Film über ihn zu drehen, und an dem Projekt zweifelte, traf ich ihn wieder im Traum. Ich fragte ihn: "Möchtest du, dass ich diesen Film mache?" Er antwortete: "Klar, du kannst machen, was du willst." Ich sagte, ich wolle wissen, wie er darüber denkt. Er blieb mir die Antwort schuldig, aber als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich sicher: Ich werde den Film drehen. Im Moment warte ich darauf, dass mein kürzlich verstorbener Freund Dennis Hopper in meinen Träumen auftaucht. Wir standen uns sehr nahe, ich bin der Patenonkel seines Sohnes. Ich vermisse ihn sehr.

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Oft sehe ich meine Bilder im Traum, bevor ich sie male. Ich betrachte sie und denke, jemand anderes hätte sie gemalt. Nach dem Aufwachen wird mir klar, dass es meine Bilder sind, und ich beginne an ihnen zu arbeiten. Schon häufig habe ich mich gefragt, ob das Bild während des Malens entsteht oder ob es bereits vorher existiert. Ich denke, der Traum ist nur ein Heimathafen, an dem die Reise beginnt, das Bild verändert sich während der Arbeit. Einige meiner bekanntesten Werke sind so entstanden. Einmal habe ich in einem Traum sogar die Galerie gesehen, in der das Bild später gezeigt wurde.

Könnte ich meine Träume aufzeichnen, sie würden gute Filme ergeben, denke ich. Filme funktionieren ähnlich wie Träume, sie folgen einer vergleichbaren Logik. Sie bieten die Möglichkeit, Zugang zu den Träumen anderer zu finden. Zumindest erhoffe ich mir das von meinen Filmen. Ich empfinde es als großes Glück, dass ich Zugang zu meinen inneren Welten habe. Und dass ich die Möglichkeit habe, meine Träume, meine Erfahrungen, auch die von Schmerz und Verlust, auf diese Weise in mein Leben zu integrieren.