Misstrauen frisst sich ein in Europa. Es vergiftet die Gespräche zwischen den Regierungen. Es schwächt den Widerstand gegen die Angriffe der Spekulanten. Die Krise des Euro wird von Tag zu Tag mehr zu einer Krise der Europäischen Union.

Dass es so weit kommen konnte, daran ist auch die Regierung in Berlin schuld. "Deutschland hat sein nationales Interesse vom europäischen Interesse abgekoppelt", kritisierte die Financial Times dieser Tage. Wenn ein so besonnener Kolumnist wie Philip Stephens dies schreibt, sollte man aufhorchen. Die Stimmung gegenüber Deutschland ist miserabel. Und das aus gutem Grund.

Zweimal hat Angela Merkel den taumelnden Euro zusätzlich ins Trudeln gebracht. Als Griechenland in höchster Not war, zögerte sie mit der Hilfe – aus Angst vor den Wählern in Nordrhein-Westfalen und vor einer Boulevardpresse, die ihrem Chauvinismus freien Lauf ließ.

Als Irlands Schuldenturm einzustürzen drohte, forderte die Bundeskanzlerin genau im falschen Moment einen (im Prinzip richtigen) Beitrag der privaten Gläubiger, mit der Folge, dass die Märkte von irischen Staatsanleihen nun gar nichts mehr wissen wollten. Zweimal trieb Merkel so den Preis der Rettung in die Höhe.

Und als Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, ein Europäer von untadeliger Gesinnung und von hohem ökonomischen Sachverstand, europäische Staatsanleihen (Euro-Bonds) ins Gespräch brachte, hieß es aus Berlin wieder: Nein und abermals nein!

Merkel und ihre Regierung müssten den Mut haben, sich gegen die Meinung in Deutschland zu stellen, die da lautet: Wie viel sollen wir denn noch zahlen? Europa bringt uns um die Früchte unseres Fleißes und belohnt die Faulen im Süden für ihr Nichtstun und ihre Trickserei.

Abgesehen davon, dass Griechenland, Irland und Spanien inzwischen bis an die Schmerzgrenze sparen: Die Märkte testen die Widerstandsfähigkeit der Europäer mit brutaler Konsequenz. Würden wir auch nur ein Land fallen lassen, das nächste würde sofort attackiert. Die Rettungsschirme dienen nicht den Spekulanten; sie sind der wirksamste Schutz gegen sie.

Die Wahrheit ist: Die Verteidigung des Euro wird für die Deutschen sehr teuer werden. Leider haben wir keine Wahl. Man möge sich nur einmal die Alternativen vorstellen.