Seit Wochen quält der niederösterreichische Landeshauptmann Erwin Pröll die Regierung in Wien mit der Forderung, die Länder sollten über stärkeres Durchgriffsrecht im Bildungsbereich verfügen. Bei seinem Kreuzzug gegen den Zentralismus führt der Landesfürst den Abbau von Doppelgleisigkeiten, schlankere Verwaltung und enormes Einsparpotenzial auf dem Schild. Vor allem aber, so wird der selbst ernannte Reformer nicht müde zu betonen, sei die Landespolitik näher bei den Menschen. Vor Ort wisse man am besten, was gut sei für’s Volk und seine Bildung.

All das glaubte man auch in Tirol, als die Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (Umit) ihren Lehrbetrieb aufnahm. Eine Hochschule von europäischem Rang sollte nach dem Willen der Gründerväter im unweit von Innsbruck gelegenen Hall entstehen. Die Initiatoren schwärmten von einem Harvard in den Alpen, einem Leuchtturm für den Bildungsstandort Tirol.

Heute steht das Land vor einem Scherbenhaufen. Einem der drei Doktoratsstudien an der Umit wurde die Zulassung entzogen. Vorwürfe, willfährige Entscheidungsträger hätten die Bildungseinrichtung als Selbstbedienungsladen missbraucht, stehen im Raum. Die politisch Verantwortlichen weisen jede Schuld von sich oder schweigen, der Imageschaden ist enorm. So kann es enden, wenn ein Bundesland Bildungshoheit übernimmt.

Schon seit Jahren war es um die Reputation der Umit, die zahlreiche höhere Abschlüsse und Lehrgänge im Gesundheitsbereich anbietet, nicht zum Besten bestellt. Als sich jedoch im September der Österreichische Akkreditierungsrat, jene Aufsichtsbehörde, die über die Ausbildungsqualität aller Privatuniversitäten wacht, weigerte, weiterhin zu akzeptieren, dass in Hall im Lehrgang Gesundheitswesen promoviert werden kann, war am Uni-Campus Feuer am Dach. Schließlich betraf dies nicht nur das Prestigeinstitut, der Studienzweig galt auch als Cashcow der Universität. 3000 Euro musste ein Student pro Semester hinblättern. Für eine Ausbildung, über welche die Uni-Wächter ein vernichtendes Urteil fällten: "Zweifel an der angemessenen Betreuung und ordnungsgemäßen Zulassungsverfahren", "mangelhafte Durchführung der Prüfungen" und zu geringe Qualität der Dissertationen beklagten sie in einem 17-seitigen Dossier, in dem zusätzlich eine regelrechte "Habilitierungswelle" beanstandet wurde.

Mehr als 30 Millionen Euro hatte das Land in den Bau des Glaspalasts mit dunkelgrauer Lamellenverkleidung gebuttert. Als jedoch im Jahr 2004 das Eduard Wallnöfer Zentrum in Hall seine Pforten öffnete, war die Begeisterung über den Prestigeklotz der Tiroler Bildungspolitik gedämpft. Von Anfang an haftete der Einrichtung der Geruch an, eine nobel dotierte Ausbildungsstätte für die Tiroler Landeskrankenanstalten GmbH (Tilak) zu sein, einer Gesellschaft, die sich in Landesbesitz und damit im direkten Einflussbereich der regierenden Volkspartei befindet.