Die Nachricht, die die US-Raumfahrtbehörde Nasa auf einer geheimnisvoll angekündigten Pressekonferenz der Weltöffentlichkeit präsentierte, verblüffte Laien wie Forscher gleichermaßen. Stimmt es, was Felisa Wolfe-Simon vom US Geological Survey, der amerikanischen Geoforschungsbehörde, im Magazin  Science behauptet, dann müsste das Rezept des Lebens neu geschrieben werden. 

Leben, wie wir es kennen, ob Virus, Einzeller, Pflanze, Tier oder Mensch, benötigt immer sechs chemische Zutaten: Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Schwefel und Phosphor. Aus diesen Elementen bestehen Kohlenhydrate, Nukleinsäuren, Fette und Eiweiße, die seit vier Milliarden Jahren die Bausteine der belebten Natur auf unserem Planeten sind. Nicht so das Bakterium mit Namen GFAJ-1, das im Labor der Amerikaner heranwächst: Es baut anstelle des Elements Phosphor Arsen in seine Eiweiße, Fette und in seine DNA ein.

Klicken Sie auf das Bild, um die Nachricht von dem ungewöhnlichen Organismus zu lesen © Science/AAAS

Doch damit nicht genug. Gemeinsam mit den Astrobiologen Ariel Anbar und Paul Davies von der Arizona State University stellte Wolfe-Simon eine gewagte These auf: Solche Organismen könnten sich "auf der urzeitlichen Erde entwickelt haben und in ungewöhnlichen Umgebungen noch heute fortbestehen." GFAJ-1 sei ein Hinweis auf weit verrücktere Bakterien: "Der heilige Gral wäre natürlich eine Mikrobe, die keine Spur Phosphor mehr enthält". Sie ist überzeugt, dass ein solcher Organismus auf unserem Planeten lebt und gedeiht.

Von Anfang an gab es Zweifel an den Erkenntnissen und Kritik an der Art, wie die Nasa den Hype um mögliche Außerirdische befeuert hatte. "Das ist ein Schnellschuss", sagte Johann Heider ZEIT ONLINE. Der Mikrobiologe von der Philipps-Universität in Marburg bezweifelt die Aussagekraft der Daten. "So wie die dokumentiert sind, kann man einen solchen Organismus nicht bestätigt sehen." – "Einige Kontrollen mehr wären nicht schlecht gewesen", sagte auch Hans Lehrach vom Max-Planck-Institut für Molekulargenetik.

Dennoch: Bakterien sind extrem wandlungsfähig und haben sich über Jahrmillionen an widrige Bedingungen angepasst. Grund genug, einmal einen Blick auf die größten Überlebenskünstler unter den Mikroben zu schauen. Sven Stockrahm