Paris liegt an der Seine, Hamburg an der Elbe und Basel am Rhein. Damit hat die Stadt Basel den anderen Städten etwas voraus: In ihrer Nähe soll Hagen den Nibelungenschatz in den Fluss geworfen haben. Welcher, wie alle Schatzsucher wissen, bis heute nicht wieder aufgetaucht ist.

Und auch nicht notwendigerweise wieder auftauchen wird. Denn in unmittelbarer Nähe befinden sich gigantische Chemiefabriken, die ab und an im Rhein ihre Duftmarken hinterlassen. Das hat schon mancher Schatz als unerträglich empfunden und sich verflüchtigt. Aber wohin? Der Feinschmecker, der immer auch ein Feinriecher ist, nähert sich von Norden und bläht die Nüstern. Naphthalin, denkt er irritiert. Bin ich denn schon da?

Er ist es natürlich nicht, denn da sein bedeutet den Schweizer Zoll passieren, und den übersieht niemand, trotz Schengen. Früher war es der Duft von Kaffee, der von den an gleicher Stelle tätigen deutschen Zöllnern erschnuppert wurde, heute ist es französisches Frischfleisch, welches Schweizer Zöllner ihren Landsleuten bei der Heimkehr aus den Einkaufstaschen angeln. Es gibt halt immer noch unterschiedliche Preise dies- und jenseits der Grenze. Da ist den Schweizer Gastronomen hoch anzurechnen, dass sie ihren Köchen und Kellnern anständige Löhne bezahlen, weshalb auf deutscher Seite das kochende Personal knapp ist.

Trotzdem schlägt die kulinarische Magnetnadel schon auf der A5 in Höhe von Efringen-Kirchen so stark aus, dass der anreisende Tourist auf die Bremse tritt, die Autobahn ver- und den Rest seinem Navigationsgerät überlässt. Als er nach zehn Minuten das Hotel-Restaurant Zur Traube in Blansingen erreicht und die parkenden Autos mit Schweizer Kennzeichen vor dem Dorfgasthaus sieht, weiß er, dass er am Ziel ist.

Ich kenne südfranzösische Kunsthändler, die zur Basler Messe weit im Voraus in der Traube ein Zimmer bestellen. Diese Bevorzugung der badischen gegenüber der Basler Gastronomie liegt zweifellos auch an den Zimmerpreisen in der Stadt, zu deren Kennzeichnung die Schweizer das hübsche Wort "überrissen" erfunden haben. Aber es gibt auch einen anderen Grund: In der Traube wird wirklich außergewöhnlich gut gekocht.

Das war schon vor zwei Jahrzehnten so und hat sich seit der Übernahme durch neue Besitzer nicht geändert. Nicht einmal stilistisch ist ein großer Unterschied zu bemerken. Die Traube war immer eine Bastion der modernen Küche mit ihren minimalistischen Merkmalen, den leichten Saucen und den klaren, nicht maskierten Gerichten. Leicht und klar, das sind die Tendenzen, die diesen prächtigen Gasthof innen und außen beherrschen. Seine Modernität lässt sich an den eleganten Installationen ebenso ablesen wie am Angebot der Küche. Für gastronomische Eleganz ist die Traube ein erfreuliches, leider aber seltenes Beispiel.

Beispielhaft sind in Basel ohnehin nur einige Branchen – Pharma, Chemie, Theater, Kunst.