In manchen Jahren steigt das Wasser im Südpazifik um 15 Millimeter. In Europa sind es höchstens zwei Millimeter. Langsam verschlingt das Meer so die Heimat von Ursula Rakova. Sie lebt auf den Carteret-Inseln, die zu Papua-Neuguinea gehören. Die höchsten Erhebungen des Atolls aus mehreren Eilanden ragen gerade mal anderthalb Meter aus dem Meeresspiegel. Dort bedroht der Klimawandel heute schon das Leben der Menschen. So geht es vielen Inseln weltweit, ob Barbados und Santa Lucía in der Karibik oder Samoa und Tonga in der Südsee. Die Erderwärmung ist für sie kein fernes Zukunftsthema. Ihre Delegationen kämpfen in Cancún um Hilfe.

In einer Diskussionsrunde berichtet Maara Vaiimene, ein Meteorologe von den Cook-Inseln, über Wetterextreme, die in seiner Heimat verheerende Schäden angerichtet haben. Auf einem Podium der Welternährungsorganisation berichtet Netatua Pelesikoti von den Samoa-Inseln , wie man dort mit Deichen, Drainagesystemen, neuen Landwirtschaftstechniken und besseren Frühwarnsystemen die Folgen des Klimawandels zu bewältigen versucht. "Wir können bislang nur Pilotprojekte finanzieren", klagt sie.

Ihre Botschaft für Cancún: Die Pazifikstaaten haben kaum zum Klimawandel beigetragen, deshalb sollten die Industrieländer mehr Geld geben, damit die Inseln sich wappnen können. Doch bislang haben die Industriestaaten kaum ihre Versprechen aus Kopenhagen gehalten. Die Zeit sei zu kurz gewesen, um mehr Geld zu organisieren, verteidigt ein Vertreter der Europäischen Kommission die Zögerlichkeit. Meteorologe Vaiimene erklärt, was das konkret bedeutet: Die Cook-Inseln brauchten Wassertanks, um Süßwasser zu speichern, und Photovoltaik, um künftig Strom ohne Dieselgeneratoren zu erzeugen.

Ursula Rakova und die Menschen auf Carteret haben beschlossen, nicht mehr auf fremde Hilfe zu warten. Ihr Atoll hat in den vergangenen Jahren bereits die Hälfte seiner Landfläche eingebüßt. Deshalb organisieren die Carteret-Insulaner ihre Übersiedlung auf die Nachbarinsel Bougainville. Tulele Pesa heißt ihre Organisation: Wir kommen allein übers Meer.