Der Begriff "heilig" ist für mich als Muslimin schwierig. Insbesondere die Medien reden so verschwenderisch über vermeintlich "Heiliges" im Islam, über den "Heiligen Krieg" oder "Ehrenmorde". Mir dagegen ist meine persönliche Freiheit heilig.

Ich habe mich als Erwachsene dafür entschieden, Kopftuch zu tragen. In dieser Entscheidung will ich frei sein. Ich will nicht, dass ein Stück Stoff mich auf meine religiöse Identität reduziert. Es geht mir gegen den Strich, wenn Musliminnen als unintegriert, ungebildet und unterdrückt hingestellt werden. Genauso verbitte ich mir auch eine Einmischung von muslimischer Seite. Falls ich das Kopftuch eines Tages nicht mehr trage, will ich mich nicht rechtfertigen müssen.

Um diese Freiheiten zu erlangen, brauchen wir einen echten, fairen Austausch innerhalb der muslimischen Community, aber auch mit Nichtmuslimen. Genau das versucht unsere Website muslimische-stimmen.de. Sie soll den Pluralismus des Islams einfangen, den die Medien nicht zeigen.

Jeder kann dort zu gesellschaftlichen, politischen, aber auch religiösen Themen schreiben. Wir hatten etwa Beiträge über eine "Bio-Muslima" oder die Deutungsvielfalt der Scharia. Meine Aufgabe ist, neue Autoren zu suchen. Interessante Leute spreche ich einfach an, zuletzt eine Professorin an meiner Uni, die die These vertritt, der Anti-islamismus werde häufig auf dem Rücken der Frauen ausgetragen.

Dumpfe Kommentare und Beleidigungen von Usern kommen erstaunlich wenige. Nach meinem Eindruck ist das für ein Internetforum zum Thema Islam eher unüblich. Das liegt sicher daran, dass wir die negativ aufgeheizten Debatten nur am Rande aufgreifen.

Unser Rezept gegen den Populismus ist, die Bandbreite des Islams zu zeigen. Wir setzen auch auf scheinbar entlegene Themen wie homosexuelle Muslime – und freuen uns, wenn das nicht ins Bild passt.

Soraya Hassoun, 29, arbeitet als Redakteurin bei www.muslimische-stimmen.de. Die Website wurde kürzlich mit dem Integrationspreis der Deutschen Islam Konferenz prämiert

Aufgezeichnet von Thilo Guschas