Er sieht aus wie sein Vater, hat die gleiche Zahnlücke, die gleiche Frisur, trägt denselben Namen, und er spielt auch Fußball: Diego Armando Maradona junior ist 24 und stammt aus der Beziehung von Diego Maradona senior mit der Italienerin Cristiana Sinagra.

Maradona senior spielte von 1984 bis 1991 beim SSC Napoli und sagte später, Neapel habe sein Leben zerstört. 1991 musste er wegen Steuerschulden, Dopingverdachts, Drogen und seiner engen Kontakte zur Camorra fluchtartig Italien verlassen. Das änderte nichts daran, dass Maradona in der Stadt noch heute wie ein Gott verehrt wird – zweimal hatte er den SSC Napoli zum italienischen Meistertitel geführt. An vielen Ecken Neapels stehen Maradona-Altäre, und sein 50. Geburtstag im Oktober wurde mit 25 Veranstaltungen gefeiert.

Zu seinem Sohn, Diego Maradona junior, hat er sich lange nicht bekannt, erst nach einem Prozess zahlte er Unterhalt. Der Sohn kämpfte jahrelang um die Aufmerksamkeit seines Vaters. In einer Fernsehshow sagte Maradona senior vor ein paar Jahren: "Kein Richter wird mich jemals zwingen können, diesen Jungen zu lieben." Diego Maradona junior lebt in Licola, einem Vorort Neapels. Dort treffen wir ihn zum Interview.

ZEITmagazin: Herr Maradona, vor ein paar Wochen ist Ihr Vater 50 geworden – was wünschen Sie ihm für sein neues Lebensjahrzehnt?

Diego Armando Maradona: Was ich ihm immer gewünscht habe: Glück und dass er Ruhe und Stabilität findet. Dass er einen Zustand des inneren Friedens erreicht. Meine Mutter und ich denken, dass er diesen Zustand noch nicht erreicht hat.

ZEITmagazin: Stimmt es, dass Sie sich 2003 mit 16 Jahren heimlich auf einen Golfplatz in der Nähe von Rom schlichen und Ihren Vater bei einem Benefizturnier überraschten?

Maradona: Ja, da haben wir uns zum ersten Mal gesehen. Es war eine ruhige, freundschaftliche Begegnung. Wir haben viel gelacht. Und wir haben uns umarmt, davon gibt es aber keine Fotos. Das war eine Sache zwischen uns beiden.

ZEITmagazin: Vorher hatten Sie nie Kontakt zu ihm? Sie wurden 1986 geboren – danach lebte Ihr Vater noch fünf Jahre lang in Neapel.

Maradona: Ich kann mich nicht erinnern. Soweit ich weiß, haben sich meine Eltern getrennt, während meine Mutter mit mir schwanger war.

ZEITmagazin: Wann haben Sie Ihren Vater denn zuletzt gesehen?

Maradona: Ich kann Ihnen nur sagen, wir haben Kontakt, und unser Verhältnis ist normal.

ZEITmagazin: Vor fünf Jahren haben Sie Ihren Vater angezeigt wegen ausbleibender Unterhaltszahlungen, Diffamierung und psychischer Schäden, die er Ihnen zugefügt haben soll. Wie wurde dieses Verhältnis normal?

Maradona: Es sind viele Dummheiten gesagt worden, von allen Beteiligten. Mein Vater hat ja nie bestritten, dass er mein Vater ist. Er hat nie einen DNA-Test verlangt. Auch wenn man schweigt, heißt das nicht gleich, dass man keine Beziehung hat.