Die Wut steigt ihr immer noch ins Gesicht, wenn sie nur daran denkt. Bärbel Maschke nestelt den alten Prospekt aus dem Ordner, den sie mit "Baumängel – Walter-Albrecht-Weg" beschriftet hat. Die Leipzigerin wollte mit ihrem Mann nicht länger Mieter sein, sie wollten etwas Eigenes haben. Da klang das Angebot des Bauträgers verlockend, das Reihenhaus aus den Sechzigern in zweigeschossige Eigenheime zu verwandeln. "Mit niedrigen Heizkosten ruhig in die Zukunft schauen", so kann man es noch heute im Prospekt nachlesen.

"Niedrigenergiehaus mit ökologischem Charakter, Unabhängigkeit von steigenden Gas- und Ölpreisen, Fußbodenheizung inklusive" – nichts davon hat funktioniert, schäumt die 53-Jährige, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Das Hauptproblem aber sei die zentrale Erdwärmeheizung gewesen. Die sollte heizen und warmes Wasser liefern. Nur war es ständig kalt, und warmes Wasser hatten die Maschkes auch nie, wenn im Walter-Albrecht-Weg mehr als zwei Leute gleichzeitig duschten. Die Heizungsanlage war für den Verbrauch falsch kalkuliert, der Bauträger musste mit elektrischen Heizpatronen nachrüsten. "Unsere ganze Kalkulation war dadurch futsch", sagt Maschke. Unter dem Strich zahlten sie mehr als zu der Zeit, in der sie noch Mieter waren.

Holger Hensel führt durch den Hof der Schönerlinder Straße 6 in Köpenick. Altbau, 1888, Denkmalschutz. Eilig entschuldigt er sich dafür, dass die Hoftür offen steht. "Nicht gerade klimafreundlich", sagt er. Und das, wo hier doch alles klimafreundlich ist. Vor allem die elektrische Wärmepumpe. Hensel zeigt auf das graue Ungetüm. "Erhitzt das Wasser auf 58 Grad. Funktioniert wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt."

Hensels Haus war schon auf n-tv und im rbb-Fernsehen zu sehen. Es gehört zu den Modellprojekten der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), weil es weniger als die Hälfte der Energie eines vergleichbaren Neubaus verbraucht. Das Objekt hat es in die Endauswahl des Wettbewerbs "Wer hat das schönste Effizienzhaus?" geschafft. Hensel hatte alle zwölf Wohnungen schon drei Monate vor Fertigstellung vermietet, für 8,50 Euro kalt, nicht schlecht für die Lage. Dafür zahlen seine Mieter auch keine Heizkosten, den Strom, den die Wärmepumpe schluckt, holt Hensel über die Solaranlage auf dem Dach wieder rein.

50 Millionen Euro verheizen deutsche Haushalte im Jahr

Bärbel Maschke und Holger Hensel, zwei Extreme, die zeigen, dass alles möglich ist, wenn es um Dämmen und Dreifachverglasung geht. Dass energieeffiziente Gebäude wie in Leipzig weder Energie sparen noch effizient sein müssen. Dass sie sich wie in Berlin aber auch von selbst versorgen können. Ganz so, wie es sich die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept wünscht, das vor allem wegen der Laufzeitverlängerung der Atommeiler in Erinnerung bleiben dürfte.

Darin verfügt sie aber auch, dass die 39 Millionen deutschen Wohnungen bis zum Jahr 2050 80 Prozent weniger Energie verbrauchen sollen, schließlich verheizen deren Bewohner 40 Prozent des deutschen Verbrauchs. Kein Wunder, 75 Prozent der 18 Millionen Gebäude sind vor Inkrafttreten der 1. Wärmeschutzverordnung 1978 gebaut, als Öl und Gas noch preiswert und die Wände dünn waren. Doch sind die Energiekosten allein seit 1995 um 120 Prozent gestiegen, die Verbraucherpreise hingegen nur um 22 Prozent. Für Wärme geben die Deutschen jährlich 50 Milliarden Euro aus. Doch an der Qualität ihres Wohnungsbestandes ging diese Entwicklung vorbei. Nach Schätzungen der dena werden pro Jahr nur bis zu 1,3 Prozent der Gebäude saniert – um die schwarz-gelbe Vorgabe zu erreichen wären 2,5 Prozent nötig.

Dafür könnte vor allem eine höhere staatliche Förderung sorgen, glaubt zumindest die versammelte Lobby, die sich seit Wochen mit ihren Forderungen gegenseitig überbietet: Der WWF und der Zentralverband des deutschen Handwerks reklamierten rund zwei Milliarden Euro jährlich, die dena und die Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft fünf Milliarden.