Die Halbinsel Qatar ist eine der trockensten Landschaften der Erde, der Niederschlag beträgt weniger als 100 Millimeter im Jahr. Zugleich ist das Emirat am Persischen Golf ein international anlegender Investor – und dank seiner hohen Einnahmen aus dem Verkauf von Erdgas und Erdöl stets flüssig.

Diesen Umstand macht sich jetzt Herbert Lütkestratkötter zunutze. Der 60-jährige Westfale ist Vorstandschef von Hochtief, und er hat mit der staatlichen Beteiligungsfirma Qatar Holding vereinbart, dass sie sich mit 9,1 Prozent an dem größten deutschen Baukonzern beteiligt , und zwar schnellstens.

400 Millionen lässt sich Qatar das kosten. Das Geld fließt nicht etwa an andere Hochtief-Aktionäre, die ihre Papiere verkaufen, sondern kommt dem Konzern als zusätzliches Eigenkapital unmittelbar zugute. Qatar kauft sieben Millionen Aktien, die es bisher nicht gab. Hochtief gibt sie neu aus.

Der Einstieg eines Großaktionärs bedeutet einen Machtverlust der Alteigner. Das trifft im Fall Hochtief besonders den spanischen Baukonzern ACS Actividades de Construcción y Servicios, dem knapp 30 Prozent des in Essen beheimateten und international tätigen Konzerns gehören. Im September haben die Spanier angekündigt, sie wollten die Kontrolle über Hochtief und strebten daher die Mehrheit an.

Eine solche Übernahme empfindet der Hochtief-Vorstand als feindlich. Das sagt Lütkestratkötter aus rechtlichen Gründen nicht offen. Er muss jetzt auch allerhand verbale Verrenkungen machen, um den Blitz-Aktienverkauf nach Qatar nicht als eine gegen ACS gerichtete Maßnahme erscheinen zu lassen.

Tatsächlich ist dem Manager aber gerade seine persönliche Operation Desert Storm gelungen. Wie die USA einst das von Irak besetzte Kuwait befreiten, so soll nun Qatar dem belagerten deutschen Baukonzern und seinem Vorstand helfen, einen spanischen Kapitalmarkt-Aggressor zurückzutreiben.

Man kann es Lütkestratkötter kaum verdenken, dass er den Traditionskonzern nicht als Tochterfirma einer spanischen Baugruppe enden sehen will, zumal die Motive der spanischen Manager zweifelhaft sind. Zwar ist ACS in derselben Branche wie Hochtief tätig, und die weltweiten Aktivitäten der Unternehmen würden sich geografisch ergänzen, eine überzeugende industrielle Logik ist bei dem Übernahmeplan aber nicht zu erkennen. Dagegen ist offenkundig, dass ACS mit zehn Milliarden Euro hoch verschuldet ist, während Hochtief solide, wenn auch nicht sonderlich profitabel gewirtschaftet hat. Daher kommt der Verdacht, dass sich die Spanier mithilfe von Hochtief in erster Linie bilanziell sanieren wollen.