DIE ZEIT: Herr Polt, was fällt Ihnen zum neuen Politstar Karl Theodor zu Guttenberg ein?

Gerhard Polt : Eigentlich nichts. Außer vielleicht etwas Grundsätzliches: Monokel, Hermelin und Zepter hängen immer noch in den Requisitenkammern griffbereit. Ich warte darauf, dass diese Dinge wiederkommen. Ich glaube, die Zeit ist reif.

ZEIT : Die Beliebtheit von Guttenberg: Es gibt offenbar eine Sehnsucht, wieder nach oben zu schauen. Vielleicht haben die Leute einfach genug von den vielen Aufsteigerbiografien.

Polt : Das sehe ich auch so. In Italien sagen die Leute, wir wählen Berlusconi, der bescheißt die Leute auch, aber er muss sie nicht so bescheißen wie andere, der ist schon Milliardär. Berlusconi, Guttenberg, das sind Menschen, die es geschafft haben, und so viele Menschen möchten es doch auch schaffen.

ZEIT : Wenn Sie eine Nummer über Guttenberg machen würden...

Polt : ...mache ich nicht. Ich kenne den Mann nicht.

ZEIT: Den Papst kennen Sie vermutlich auch nicht. Aber Sie haben ihn im Programm.

Polt : Der Mann hat einfach ein einmaliges Erscheinungsbild. Er hat eine Sprache und einen Ausdruck wie sonst keiner. Er hat diesen wunderbaren Tonfall, besonders wenn er Italienisch spricht. Ich kann ja auch einigermaßen Italienisch, und ich versuche in der Nummer nur so zu sprechen wie er. Besonders den Italienern gefällt das übrigens, ich höre es öfter: Mach doch noch mal den Benedetto. Den Schlüsselsatz hat er unmittelbar nach seiner Wahl auf dem Balkon des Petersdoms gesagt, auf Italienisch: Ich bin nur ein kleiner Gärtner, ein kleiner Hacker im Garten des Herrn. Ein Gärtner ist auch dazu da, die Schädlinge zu vernichten und das Unkraut auszusortieren. Dazu ist er da, das ist sein Job. Das ist, wenn Sie so wollen, das Programm des Papstes. So was finde ich wunderbar.

ZEIT : Herr Polt, Sie haben mal gesagt, Sie wollten nie in Ihrem Leben etwas werden.

Polt : Der Satz stimmt, wobei ich natürlich schon etwas werden wollte, aber nicht im Sinne, wie das üblicherweise gebraucht wird. Wenn sich Menschen unterhalten, hören Sie das dauernd: wer etwas geworden ist und wer nicht. Das hat mich nie interessiert. Ich will Ihnen sagen, wer mich als Kind beeindruckt hat. Es gab da einen Bootsverleiher, und dieser Bootsverleiher war einfach Bootsverleiher, da hätte nie einer nachgefragt, warum er das ist. Für mich hat dieser Mann alles geschafft, was man im Leben schaffen kann. Er strahlte eine solche Ruhe und Ausgeglichenheit aus. Ob es geregnet hat oder nicht, ob viele Leute kamen oder gar keiner, er war da. Wenn nix los war, hat er oft stundenlang auf den See hinausgeschaut. Dieses Stoische – großartig.

ZEIT : So etwas wollten Sie auch werden?

Polt : Irgend so was wollte ich werden, ja. Dieser Mann, der sich selbst genügte. Darum ging es.

ZEIT : Und, hat’s geklappt?

Polt : Irgendwie vielleicht schon. Jedenfalls hat mich das immer fasziniert. Wir erleben doch heute unablässig Leute, die sich gemobbt fühlen oder sonst wie gestresst sind. Menschen, die unter Gewissensbissen leiden, die schuften, damit sie das Leben finanziell schaffen. Und als Gegenentwurf dazu der Bootsverleiher. Der Mann hatte Würde.