"Stereo ist bloß ein Fenster zwischen zwei Boxen. Und 5.1 Surround – da sind nur viele Fenster um mich rum. Aber das", der Dame gehen die Bilder aus, fast japst sie: "Das ist – Raum!"

Malgorzata Albinska-Frank hatte viele Jahre lang professionell mit Stereo zu tun. Denn die Baselerin ist Tonmeisterin. Ein Beruf zwischen Dirigent und Techniker. Die Ausbildung zum Tonmeister ist schwer, ein volles Musikstudium plus technischer Ausbildung. Solche Spezialisten, ihrem Selbstverständnis nach Künstler, leiten die Aufnahmen bei Musikproduktionen, sind oberste Beschaller bei Konzertveranstaltungen und kümmern sich bei Funk und Fernsehen um den guten Ton. Genauer: Stereoton.

Doch seit Kurzem ist Frau Albinska-Frank hin und weg – seit sie Auro 3D 9.1 kennengelernt und mit seiner Hilfe mittelalterliche Musik in Kirchen aufgenommen hat. Und da geht es ihr nicht anders als vielen ihrer – überwiegend männlichen – Kollegen, die sich Ende November in Leipzig zur 26. Tonmeister-Tagung trafen. Es ist ja so: Wer aus dem Porsche steigt, will nicht mehr Polo fahren. Wer einmal vom Schneider angezogen wurde, will nichts mehr von der Stange. Und wer Auro 3D erlebt hat, das neue 3-D-Surround-System der belgischen Galaxy Studios, spottet fortan über Stereo. Und lacht über den Heimkinosound 5.1.

Die "Zukunft des 3-D-Klanges", wie es aus dem belgischen Mol tönt, beruht auf der Idee, Klänge auch oben, in der Luft, unter der Saaldecke, im Dachgewölbe von Kirchen einzusammeln. Um sie beim Abspielen durch hoch montierte Extralautsprecher wiederzugeben. Dazu bedarf es natürlich doppelt so vieler Mikros, Lautsprecher, Tonspuren und Stunden am Mischpult wie bei herkömmlichen Verfahren. Auro 3D 9.1 bedeutet: Neun Lautsprecher plus ein Subwoofer (Basslautsprecher) sind ums Publikum (oder den Heimkinobesitzer) gruppiert.

Das Resultat ist tatsächlich umwerfend. Im Zuhörer scheinen Kirche, Konzertsaal, Jazzkeller zu entstehen – und gleichzeitig dehnen sie sich um ihn herum. Während aber der Laie mit geschlossenen Augen sitzt und genießt, rennen die Profis umher: Gibt es doch wie bei Stereo oder Surround einen "Sweet Spot", jenen einen Platz, an dem die Akustik Spitze ist, während alle anderen eher Holzklasse sind? Entdeckt man Klanglöcher zwischen den Boxen, wo sich Schallwellen so ungünstig treffen, dass sie einander auslöschen ( Kammfiltereffekt )? Nichts zu finden? Toll!

"Die ganze Sache ist Kino-getrieben", sagt Carlos Albrecht. Albrecht ist der Chef des Verbandes Deutscher Tonmeister , leitete bis 2004 die Tonmeisterausbildung am ältesten Tonmeisterinstitut in Detmold und war an mehr als tausend Schallplatten- und CD-Aufnahmen beteiligt. Dreimal war er für den Grammy nominiert. Dass gerade jetzt Tonmeisterinnen und Tonmeister sich so intensiv um 3-D-Sound kümmern, dass dieses Thema im Zentrum der Leipziger Tonmeistertagung steht, hängt mit Filmen wie Avatar zusammen.

Das 3-D-Kino und im Schlepptau das 3-D-Fernsehen machen sich breit. Noch braucht man 3-D-Brillen, um die Effekte zu erleben – aber auch beim räumlichen Filmeschauen gilt offenbar für viele: Wer das einmal hatte, will es nicht mehr missen. Lutz Möhr vom 3D-Competence-Center im oberbayerischen Rudelzhausen wies in Leipzig darauf hin, dass es schon kleine 3-D-Kameras für den Hausgebrauch gebe und 2011 jeden Sonntag ein Bundesligaspiel live in 3-D übertragen werde. Möhr: "Es wird ernst!"