Schon vor dem Klimagipfel in Cancún zeigte sich die Ökodebatte in veränderter Gestalt. Laut drangen die Stimmen durch, die sagen: Die Welt wird die Erderwärmung nicht bei zwei Grad anhalten , also müssen wir uns auf wärmere und stürmischere Zeiten einstellen.

Man könnte auch sagen, wir sollen Dämme bauen, statt Windräder. Zwar werden die neuen Realisten offiziell stets beides fordern, Dämme und Windräder. Aber so funktioniert die Welt nicht. Es fällt den Völkern ja schon ungeheuer schwer, sich auf eine dieser Aufgaben zu konzentrieren.

Gar nicht so schlimm, hält eine Allianz aus Klimaschutzgegnern , Technologiegläubigen und interessierten Firmen dagegen. Ihre Haltung ist vor allem für den Norden verführerisch, weil er noch am wenigsten unter einem stärkeren Klimawandel leiden würde.

Wer ihr folgen will, möge die Kerndaten einer Prognose der britischen Royal Society lesen. Vier Grad Erwärmung bis zum Jahr 2100 heißt das neuerdings so plausible Szenario: Im Süden Afrikas fiele jede zweite Ernte aus, mindestens 50 Millionen Menschen würden in Asien von den Küsten vertrieben, in Europa müssten Küsten und Metropolen jährlich mit zweistelligen Milliardensummen bewehrt werden. Große Regionen hätten deutlich weniger Trinkwasser, die Regenwälder würden weiter schrumpfen, Flüchtlingsströme wären unaufhaltsam.

Zu Beginn der Woche war das Ergebnis von Cancún noch unklar . Der "neue Realismus" droht aber die Welt so oder so zur vermeintlich leichteren Variante zu verführen: Den immer noch möglichen Kraftakt gar nicht mehr zu versuchen.