Frage: Haben Sie schon einmal Emma gelesen?

Loki Schmidt: Nein, habe ich nicht. Aber Sie wissen vielleicht, dass Alice Schwarzer sich in ihrer Zeitschrift über mich lustig gemacht hat – "Die Schmidt mit ihren Blümchen". Als ich angefangen habe, mich intensiv um den Naturschutz zu kümmern, war das ja nicht gerade Mode – und für Frau Schwarzer war es offenbar abwegig, sich als Frau dafür zu engagieren. Da habe ich gehört, dass in Emma eine Karikatur von mir war, und darunter stand: "Die Schmidt mit ihren Blümchen".

Frage: Nun, dann kann ich Ihre Haltung zur Emma verstehen.

Schmidt: Es mag aber sein, dass für viele unselbstständige Frauen – das ist aber nicht meine, sondern eine jüngere Generation – eine solche Zeitschrift ihre Bedeutung hat. Obwohl ich auch eingestehen muss – das habe ich gerade anhand von Zahlen vom Statistischen Bundesamt noch einmal gesehen –, dass es bis heute kaum Frauen in leitenden Positionen der Wirtschaft gibt. Das ist schon erstaunlich.

Frage: In den Vorständen der dreißig Dax-Unternehmen zum Beispiel gibt es nach wie vor nur eine verschwindend geringe Anzahl von Frauen.

Schmidt: Das sind Tatsachen, die muss man ernst nehmen und kritisieren. Aber ich habe den Eindruck, dass die Frauen in meiner Generation, von denen ja nicht mehr viele leben, selbstbewusster waren...

Frage: ...als die jetzige Generation.

Schmidt: Ja. Also, das kann ich natürlich nicht beweisen. Nur: Meiner Generation, und auch Frauen, die ein paar Jahre älter waren, blieb gar nichts anderes übrig nach dem Krieg, als auf vielen Gebieten die Initiative zu ergreifen. Die Männer kamen aus dem Krieg nach Hause – oft psychisch sehr angeschlagen, zum Teil physisch angeschlagen –, und das Leben musste ja insgesamt weitergehen. Nicht umsonst hat man den Ausdruck "Trümmerfrauen" geprägt. Im Krieg und nach dem Krieg haben Frauen zum Beispiel als Straßenbahnführerin oder in der Fabrik gearbeitet. Natürlich gab es auch viele Frauen, die, als der Mann wieder da war und Boden unter den Füßen hatte, gesagt haben: "Gott sei Dank, dann kann ich mich jetzt wieder in meine vier Wände zurückziehen." Aber auch die hatten ja das Bewusstsein, dass sie vieles selbst schaffen können. Dieser Generation, das habe ich links und rechts von mir erlebt, blieb nichts anderes übrig, als zuzupacken, weil das Leben weitergehen musste.

Frage: Aber viele wurden in den fünfziger Jahren auch gegen ihren Willen zurück in die Familie gedrängt. Sie sollten sich wieder für die "drei Ks" verantwortlich fühlen: Kinder, Küche, Kirche. Sie als Lehrerin im öffentlichen Dienst hatten es da sicher leichter.

Schmidt: Lehrerinnen haben sich, glaube ich, verhältnismäßig früh, ich will fast sagen, ihren Platz in der Gesellschaft erkämpft. Ich will sie nicht alle aufzählen, wie Helene Lange zum Beispiel, aber Lehrerinnen, um es mal ein bisschen pathetisch zu sagen, waren eher emanzipiert als andere Frauen.