In seiner Geburtsstadt haben sie ihm ein Museum eingerichtet, klein und fein. Das passt zu ihm, alles Kleine lag ihm ja, speziell als literarische Form: Gedichte, Verse, Kritiken. Zudem war er von zarter Statur, 1,68 Meter, schreibt er in seinen Memoiren und tröstete sich damit, dass schmächtige Kerle oft Großes vollbracht haben – Caesar, Goethe und der von ihm bewunderte Maler Menzel. Auch er träumte von hehren Taten, versäumte keine Stunde Unterricht und wollte ein toller Lehrer werden – wie jene Männer, die als Untermieter in der Elternwohnung logierten. "Ich lernte sie nicht erst in der Schule kennen, ich hatte sie zu Hause. Ich sah die blauen Schulhefte, die rote Korrekturtinte ... und überall Lesebücher, Lehrbücher, Lehrerzeitschriften, Zeitschriften für Psychologie, Heimatkunde, Geschichte... Da lag ein fremder Erdteil vor mir zum Greifen nah", erinnerte er sich.

Der Schule entwachsen, hat er sich aber eines anderen besonnen: "Wenn ich 30 bin, will ich, dass man meinen Namen kennt. Bis 35 will ich anerkannt sein. Bis 40 sogar ein bisschen berühmt." Diese Zeilen stammen aus einem seiner täglichen Briefe an die Frau Mama, die ihn mit Liebe und Fürsorge, aber auch mit schweren Depressionen und Suiziddrohungen an sich band. Mit der Liebe zu ihrem einzigen Kind kompensierte sie alle unerfüllten Sehnsüchte, die sich aus einer Vernunftehe ergaben: "Ihr Leben galt mit jedem Atemzug mir, nur mir. Sie dachte nur an mich, andere Gedanken hatte sie keine", schreibt er in den Memoiren.

Vermutlich konnte daher niemals eine der vielen Frauen, die ihn begleiteten, gegen das Idealbild der Mutter bestehen. Ähnlich groß wie die Liebe zu ihr war wohl nur noch die Liebe zur Heimat. Die Landschaft, der Fluss, die historischen Viertel – schon den Steppke beseelte der Blick "auf die Silhouette der Stadt mit ihren edlen, ehrwürdigen Türmen". Später wuchs ihm jene Metropole, in der er Karriere machte, gleichsam ans Herz. Und so hockte er dort noch in den Cafés, als alle Weggefährten längst gegangen waren. Oder war es die geliebte Mutter, für die er der drohenden Gefahr trotzte, wollte er ihr nahe sein? Und dann, als das vorbei war und er hätte bleiben können, suchte er sich eine neue Wahlheimat. Von nun an pendelte er zwischen zwei Städten. Und zwischen den zwei Frauen, die dort lebten. Die eine war die offizielle Lebensgefährtin, die ihn mit Zuckerbrot und Peitsche an sich kettete, die Wiederholung seines Kindheitsmusters. Die andere war die große Liebe seiner späten Jahre. Doch als er sich nach langem Doppelleben immer noch nicht zu ihr bekannte, zog sie den Schlussstrich.

Übrigens war es weit schneller mit dem Ruhm gegangen, als er sich erträumt hatte: Er war erst 30, als sein wichtigstes Buch erschien, ein Longseller, mehrfach verfilmt. Der Erfolg machte ihn berühmt und reich. Dass man ihm dann noch das Museum widmete, hat er nicht mehr miterlebt. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 49:
Als "Held zweier Welten" war der Marquis de La Fayette (1757 bis 1834) ein Kämpfer für die Freiheit, an der Seite von George Washington im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, nach Frankreich zurückgekehrt für die konstitutionelle Monarchie. Als Kommandant der Nationalgarde oblag ihm der Schutz der königlichen Familie, nach deren missglückter Flucht stellte er sich zwischen sie und die aufgebrachte Menge. Das Massaker auf dem Marsfeld 1791 beendete seinen politischen Einfluss. In Gefängnissen überlebte er die Terreur. Seine Freilassung verdankte er Napoleon. Maßgeblich beteiligt war er an der Inthronisation des Bürgerkönigs Louis-Philippe