"Es machte mir nichts aus, alles zu verlieren, was ich hatte", schreibt der junge Tolstoj in seinem Tagebuch. Ähnlich schärften Spielbankverluste nicht nur Dostojewskis Sinne und versetzten ihn erst in die nötige Stimmung zum Schreiben, sondern waren auch ein wunderbarer Stimulus für Francis Bacon: "Sie zwingen dich, dem Schicksal ins Auge zu schauen." Der russisch-niederländische Schachgroßmeister Gennadi Sosonko beschwört in der Schachzeitschrift New in Chess immer wieder Meister vergangener Zeiten. So auch kürzlich Savielly Grigorievich Tartakower (1887 bis 1956), einen hochintelligenten Doktor der Rechte, der dennoch nie dem Schachvirus trotzen wollte und konnte. Er lebte von Turnierpreisen, Simultanveranstaltungen, Spielen um Geld in Kaffeehäusern, Buchhonoraren (unter anderem übersetzte er Rilke und Hugo von Hofmannsthal ins Russische) und vor allem von Schachspalten in zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften.

Mit Witz, leichter Hand und Fleiß konnte er damit sogar gut verdienen, um das Geld indes postwendend wieder ohne Bedauern in Kasinos zu verspielen. Wie so viele Schachspieler war er letztlich ein einsamer Wolf und heimatlos, was auch die letzten Zeilen eines seiner Gedichte (Das Waisenkind), welches er bereits als 24-Jähriger schrieb, bezeugen: "In einem fremden Hause / wo auch immer / werde ich mein hassenswertes Leben beenden. Und das Grab wird ein Heim für mich / wie mein Heim ein Grab wurde." Wie setzte er als Schwarzer am Zug 1930 in San Remo in wenigen Zügen Colle matt

Lösung aus Nr. 49:
Welcher weiße Opferschlag führte zum Matt? Nach dem Damenopfer 1.Dxh5! gab Schwarz schon auf, weil 1...gxh5 (1...Lxf6 2.Dh7 matt) 2.Tg3+ Kh8 3.Th6 matt ergibt

Weitere Schachrätsel unseres Autors finden Sie im Buch: "Helmut Pfleger, ZEIT-Schachspalten. 120 amüsante Aufgaben mit überraschenden Lösungen aus DIE ZEIT"; Praxis Schach, Edition Olms 2009; 16,80 Euro