Zum Beispiel Nadin, Cami, Bengo und Kiko. Die vier jungen Mischlingswelpen – zwei mit weißem Kräuselfell und zwei mit schwarzem – leben laut der Internetseite www.strassen-hunde.de in einem spanischen Tierheim nahe Córdoba. Jetzt suchen sie "ein verantwortungsbewusstes und verlässliches Zuhause". In dem Heim sind sie noch auf halbwegs komfortable Weise gelandet: in einem Pappkarton, den jemand vor der Tür abgestellt hatte. Sonst würden die Welpen jetzt womöglich aus Mülleimern fressen oder sich auf Hotelterrassen mit den Resten vom Buffet durchfüttern lassen.

Hunderttausende Vierbeiner, darunter viele ausgesetzte und nie kastrierte Tiere aus ungewollten Würfen, schlagen sich nach Schätzungen von Tierschützern in Südeuropa unter freiem Himmel durchs Leben und vermehren sich ungehindert. Oder sie gehen irgendwann einem Hundefänger ins Netz und landen in einem der staatlichen Tierheime. Die seien in Mittelmeerländern allerdings eher Tötungsstationen als Zufluchtsorte, sagt die Tierschützerin Sandra Warzitz. "Wird ein Tier nach zwei bis drei Wochen nicht von seinem Besitzer abgeholt oder weitervermittelt, schläfert man es in der Regel ein."

Schockiert vom Elend der halb verhungerten oder verletzten Straßentiere, haben vor allem Auswanderer aus Deutschland in Urlaubsorten auf Mallorca, Teneriffa, Fuerteventura, an der Algarve oder in Andalusien Pflegestationen gegründet – oft auf ihren Privatgrundstücken. Weil das keine Dauerlösung ist, bringen sie die aufgepäppelten Hunde und Katzen dann mithilfe sogenannter Flugpaten auf dem Luftweg mit neuen Besitzern in Deutschland zusammen. Im Internet kann man sich durch Hunderte Datenbanken mit Fotos und Steckbriefen von Tieren wie eben Nadin, Cami, Bengo und Kiko klicken, die selbstlose Reisebegleiter suchen. Für diesen inoffiziellen Export spielen Touristen eine zentrale Rolle. Urlauber können auf Seiten wie www.flugpaten.de, die von Sandra Warzitz betrieben wird, auf www.flugpate.com oder www.tiere-suchen-menschen.org ihre Rückflugdaten eingeben und erfahren, ob ein Tier am jeweiligen Ort auf Vermittlung wartet.

Das ist nötig, denn Kleintiere gelten in der Luftfahrt als Fracht und dürfen nicht unbegleitet an Bord. Liegen allerdings gültige Papiere und Impfbescheinigungen vor, kann man eine Box mit lebendem Inhalt genauso einchecken wie den eigenen Koffer mit der schmutzigen Wäsche. "Danach sieht der Flugpate das Tier erst in Deutschland wieder und bringt es nur noch vom Sondergepäckschalter nach draußen in die Flughafenhalle. Dort wird das Tier wieder abgeholt. Keine Angst: Es wurde noch nie ein Tier nicht abgeholt!" So versucht die Website www.flugpate.com die naheliegenden Bedenken potenzieller Helfer zu zerstreuen.