In den Dutzend Jahren, die ich in der Nachrichtenredaktion des geschichtsträchtigen New York Times- Gebäudes gleich um die Ecke vom Times Square verbrachte, muss ich meine Zukunft wohl hundertmal, ja tausendmal überdacht haben. Würde ich Inlandskorrespondent werden? Auslandskorrespondent? Chefredakteur? Oder sollte ich den Journalismus hinschmeißen und stattdessen eine Karriere als Tänzer einschlagen?

Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass mir niemals der Gedanke kam: Vielleicht werde ich eines Tages mit einem Bowlingball in der Hand in diesem Raum stehen, das Chinatown-Dekor bewundern und hoffen, den letzten Pin auf Bahn 12 abzuräumen.

Erlauben Sie mir, meine Erinnerung noch mal kurz zu überprüfen.

Nein. Der Gedanke ist mir tatsächlich nie gekommen.

Und doch stehe ich jetzt da, einen jadegrünen Bowlingball im Anschlag, bereit, ihn eine Bahn hinunterrollen zu lassen, ein paar Meter von genau jener Stelle entfernt, an der mir vor 15 Jahren Joseph Lelyveld, der damalige Chef vom Dienst, einen Job anbot. Wie die Zeit vergeht! Wenn mir nun endlich diese Geister aus dem Weg gingen, könnte ich den letzten Pin treffen.

In der Morgendämmerung des vergangenen Jahrhunderts war die Times vom Printing House Square in der Nähe der City Hall in einen neuen Turm uptown gezogen, das bescheidene Stück Land sollte bald als Times Square bekannt werden. Später, 1913, sicherte sich die Zeitung ihre Herrschaft über die Gegend mit einem zusätzlichen zehnstöckigen Gebäude, 229 West 43rd Street, dessen Fassade aus weißem Backstein und Terrakotta vage die Vorstellung eines gotischen Schlosses erweckte.

Über Generationen hinweg hallte dieses Gebäude vom Lärm der Neuigkeiten wider: dem Geratter der Tastaturen, den Rufen der Reporter und Redakteure, dem Ächzen und Dröhnen der Druckerpressen. Ruiniert im journalistischen Alltag, erweitert, renoviert und wieder ruiniert – es war eine Bruchbude. Aber es war unsere Bruchbude, in der man leise Wetten abschloss, heimlich Alkohol trank, sich vorsichtig in Liebesaffären versuchte – und fleißig die Chronik der Tage niederschrieb. Vor drei Jahren verließ die Times ihr angestammtes Heim zugunsten eines futuristischen Turms an der Eighth Avenue gleich um die Ecke. Der Umzug war bittersüß, aber notwendig; das alte Gebäude konnte einfach den Anforderungen der Zeitung nicht mehr standhalten. Wenige von uns hatten noch einen Grund, auf unserem alten Pfad an der 43rd Street zwischen Seventh und Eighth Avenue zu wandeln. 

Doch nun kommen aufregende Neuigkeiten von Bowlmor Lanes, einer Firma, die sich auf gehobene Bowlingbahnen spezialisiert hat. Bowlmor eröffnet einen neuen Ableger am Times Square! Fünfzig Bahnen! Mit Nachtclub und Sportsbar! Küche von Prominentenkoch David Burke!