Alain-Xavier Wurst, Franzose in Hamburg, hat ein Buch über deutsche Frauen geschrieben. An denen gebe es einiges auszusetzen. Die ZEIT-Autorin Andrea Hanna Hünniger fragt nach Einzelheiten

DIE ZEIT: Haben Sie eine Freundin?

Alain-Xavier Wurst: Nein.

ZEIT: Warum?

Wurst: Darüber habe ich ein Buch geschrieben.

ZEIT: Der Untertitel Ihres Buches lautet Ein Franzose verzweifelt an den deutschen Frauen. Was ist denn so schlimm an uns?

Wurst: Wenn die deutsche Frau bloß etwas lockerer wäre, etwas mehr Leichtigkeit hätte! Die ist mir so nicht aufgefallen, und ich lebe seit sieben Jahren in Deutschland. Ich habe den Eindruck, das Flirten muss hier ziemlich ernst sein. Man wagt es kaum.

ZEIT: Was macht das Flirten mit uns so schwer?

Wurst: In Deutschland erschrecken die Frauen, wenn man sie an nicht offiziellen Flirtorten, also im Club oder im Internet, anspricht. Für das Flirten brauchen deutsche Frauen Zonen. So wie die Raucherzone. Das ist nicht gerade die Flirtkultur, die ich aus Frankreich kenne. Es gibt hier gar keine Flirtkultur! Aber vielleicht wird das auch nicht erwartet oder verlangt. Die deutsche Frau reagiert aufs Flirten mit: "Was will er von mir?", dabei sollte die Frage einfach heißen: "Was will ich von ihm?" Ich frage mich immer noch, wie die Deutschen zusammenkommen.

ZEIT: Die Deutschen sind zurückhaltend.

Wurst: Flirten ist ein Spiel. Sie sind eine Frau, ich bin ein Mann, dementsprechend habe ich überhaupt kein Problem, das Gespräch zu sexualisieren. Das kommt aber nicht gut an. Es gibt eine geringe soziale Akzeptanz des Flirtens.

ZEIT: Am Bahnhof sprach mich ein Mann an und sagte mir, dass er meine Schuhe sehr hübsch finde. Ich zeige sie Ihnen mal. Es sind Militärstiefel. Unten klebt noch ein grünes Kaugummi dran. Ist doch albern, so ein Spruch. Er meinte das auch nicht ironisch.

Wurst: Da sind wir beim Punkt. Das Kompliment. Wenn man ein Kompliment macht, ist es stärker, wenn man es ehrlich meint. Aber ein Kompliment ist auch eine Art, ins Gespräch zu kommen. Da reagiert die deutsche Frau sehr empfindlich, indem sie den Inhalt des Kompliments überprüft. Es ist leichter, sich auf der Straße über einen Hund kennenzulernen, als sich direkt anzusprechen. Sie hatten nun keinen Hund, Sie hatten Stiefel. Und was war? Sie haben die Augen verdreht und sind weitergegangen.

ZEIT: Natürlich.

Wurst: Ja, natürlich. Wie wär’s, das alles nicht so ernst zu nehmen?