Wer mehrere Dinge zur selben Zeit anfing, galt früher als Chaot. Heute werden solche Menschen als "Multitasking-Talente" gepriesen. Immer schneller geht es zu in der Arbeitswelt: Dutzende von E-Mails und SMS prasseln herein , das Telefon klingelt, ein Kunde quengelt, zwei Meetings rufen. Und auf dem Schreibtisch wächst der Papierberg zum Achttausender-Gipfel heran.

Ist es da nicht normal, dass ein Chef im Gespräch mit seinem Mitarbeiter ein Telefonat annimmt, seine Mails checkt und in Gedanken das Abendmeeting durchspielt? Ist es da nicht normal, dass eine Fachkraft mehrere Projekte zur selben Zeit anstößt, am Computer von Dokument zu Dokument hüpft und auf alle Mails in der Geschwindigkeit eines Wirbelwinds antwortet?

Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"

Vielleicht ist es normal geworden – aber es zeigt vor allem eines: das mangelnde Organisationstalent dieser Menschen. Was ihnen fehlt, sind Prioritäten.

Wein und Wasser, Aufgaben von höchster und geringster Wichtigkeit, werden bis zur Unkenntlichkeit vermengt. Ein Beispiel ist der Manager, der für seinen Bereich eine Strategie entwickeln müsste, sich aber stattdessen am Nasenring des Tagesgeschäftes durch die Arena führen lässt.

Statt selbst zu bestimmen, wie er seine Zeit investiert, retourniert er die zufällig übers Netz fliegenden Bälle: Anrufe, Mails, Nichtigkeiten des Tages. Er reagiert, statt zu agieren . Das wirklich Wichtige, die Strategie, bleibt auf der Strecke.

Unser Kopf kann zur selben Zeit nur einen Gedanken denken. Wer sich mit zwei Sachen beschäftigt, beschäftigt sich mit keiner richtig. Und das merkt man den Ergebnissen an! Wenn ich für jedes unvollendete Konzept, für jedes vergessene Mitarbeitergespräch, für jedes schlecht vorbereitete Meeting meiner Klienten zehn Cent bekommen hätte, wäre mittlerweile ein dickes Sparschwein voll. Die Standard-Ursache für Versäumnisse: Multitasking.

Fragen Sie sich: An welchen Ergebnissen werde ich gemessen? Welche Kleinigkeit, täglich getan, würde mich auf lange Sicht vorwärtsbringen? Und angenommen, Sie dürften täglich nur eine Stunde arbeiten: Was würden Sie in dieser Zeit anpacken?

Wer weiß, was in seinem Job wirklich zählt, gibt das Multitasking auf. Er tut eines nach dem anderen: die wichtigen Dinge zuerst; und die weniger wichtigen – gar nicht!