16. November: Nach wochenlangem Hin und Her wird im Staatsfernsehen RAI die Sendung Komm fort mit mir! ausgestrahlt. Die RAI-Manager von Berlusconis Gnaden hatten es zu verhindern versucht. Zuletzt strichen sie einfach den Mitwirkenden die Honorare. Die Sendung hat neun Millionen Zuschauer, mehr als bei den Spielen der italienischen Fußball-Nationalmannschaft. Es treten auf: der Komiker Roberto Benigni, der Schriftsteller Roberto Saviano, der Chef der linken Demokraten-Partei, Pierluigi Bersani und Gianfranco Fini, alle gratis. Bersani verliest den Katalog linker Werte. Darin heißt es: Wer das Land regiert, muss anständig sein. Fini verliest den Katalog rechter Werte. Darin heißt es: Vor dem Gesetz sind alle gleich. Der linke wie der rechte Katalog klingen wie ein Manifest gegen Berlusconi.

20. November:Gleichberechtigungsministerin Mara Carfagna kündigt ihren Rücktritt und den Austritt aus der Partei an. Ausgerechnet Carfagna! Sie gilt als Berlusconis "Mädchen", seitdem sie als Showgirl für seine Fernsehsender arbeitete. Schnell beförderte der Chef die schöne Süditalienerin in die Politik, und nach zwei Jahren Partei-Praktikum machte Berlusconi Carfagna zur Ministerin. Aber jetzt rümpft Mara Carfagna über das "Freiheitsvolk" die Nase. Schuld ist der Müll, der ihre Heimatregion Kampanien überzieht. Allein in Neapel liegen 3000 Tonnen Abfall auf den Straßen. Die Unesco droht mit Aberkennung des Weltkulturerbes, weil man vor lauter Müll die Monumente kaum noch sehen kann. "Kampanien wird von einer Bande regiert!", schimpft Carfagna, die Bande ist ihre Partei. Der Regionalvorsitzende Nicola Cosentino wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, Geschäfte mit der Camorra getätigt zu haben. Carfagna weiß das schon länger. Aber jetzt reicht es ihr.

24. November: Auf die politische Bühne drängt Italiens populärster Graf: Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo. Er präsentiert seine Liste Italia Futura, die bald an Kommunalwahlen teilnehmen soll. Und danach vielleicht auch an anderen Wahlen? Vorsorglich rechnet Montezemolo schon mal mit Berlusconi ab. Ganz Italien müsse neu aufgebaut werden, "auch ethisch-moralisch". Wer das tun soll, sagt der Graf nicht. Einstweilen will er mit seinem neuen Eisenbahnunternehmen der Staatsbahn Konkurrenz machen.

25. November: Mara Carfagna spricht mit Berlusconi. Danach tritt sie von ihrem Rücktritt zurück. Die Ministerin sagt nur: "Berlusconi hat mir zugehört und mich überzeugt." Womit, das bleibt ihr Geheimnis.