Bianca Reichl, 29, Kosmetikerin aus Ludwigsburg

Als ich hörte, dass sie den Park räumen und die alten Bäume fällen wollten, war für mich klar, dass ich bei der Schülerdemo dabei bin. Ich wohne zwar in Ludwigsburg, bin aber oft hier und mag den Park, außerdem halte ich das Projekt Stuttgart 21 für totale Geldverschwendung. Ich war im September in einer Übergangsphase zwischen zwei Jobs, darum hatte ich tagsüber Zeit. Es waren dann wahnsinnig viele Polizisten da – man hat gespürt, dass was passieren wird. Der Wasserwerfer, ich habe mich gleich in den Weg gesetzt, er rollte bis auf zwei, drei Meter heran. Ich habe die volle Ladung ins Gesicht bekommen, dann zerrten sie mich weg. Später haben sie uns mit Schlagstöcken geprügelt, aber das kriegt man in so einer Situation gar nicht richtig mit. Man spürt keinen Schmerz und denkt nicht nach. Hinterher habe ich geweint.

Es war ein bisschen wie Krieg, und ich habe ein paar Tage gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Ich hatte bisher immer Respekt vor der Polizei. Dass die mit so viel Gewalt ihren Willen durchsetzen, finde ich wirklich übel.

Später am Tag der Demonstration fragte mich eine alte Frau, ob ich bei der Blockade dabei war, weil ich so verheult aussah. Ich sagte Ja. Sie gab mir fünf Euro und sage: "Ich hätte es auch gemacht, aber ich kann das nicht mehr." Das war irgendwie rührend.

Dass manche Politiker sagen, wir Demonstranten kämen alle aus reichen Familien, halte ich übrigens für eine Frechheit: Meine Mutter ist alleinerziehende Werberin, wir sind weder besonders arm noch besonders reich.

Farid Kreh, 18, Abiturient aus Stuttgart

Zwischen halb elf und elf ging die Nachricht rum, dass sie den Park räumen wollen. Das Königin-Katharina-Stift-Gymnasium, wo ich in die 13. Klasse gehe, liegt direkt gegenüber vom Hauptbahnhof, daher waren viele von uns bei der Schülerdemo. Weil ich 18 bin, konnte ich mich hinterher auch selbst entschuldigen. Manche Demonstranten haben es dann allerdings übertrieben, sie haben die Lastwagen der Polizei geentert und "grün-weißer Partybus" gesungen. Manche haben auch die Absperrgitter genommen und sich dahinter verbarrikadiert. Ich schätze, dass die Polizei sich deshalb erst provoziert gefühlt hat, die Wasserwerfer anzuschmeißen.

Manche Demonstranten hatten Planen dabei, die haben wir über unsere Köpfe gehalten. Als trotz des Wassers keiner gegangen ist, haben die Polizisten uns aufgefordert, aufzustehen. Beim dritten Mal bin ich dann mitgegangen. Sie haben mir den Arm hinter den Rücken gedreht und mich zum Polizeiwagen gebracht. Zwei Freunde waren auch schon da, und es hieß, wir würden Platzverweise bekommen. Aber als gerade kein Polizist in der Nähe war, sind wir abgehauen.

Ich war klitschnass, und mein Gesicht und meine Hände haben vom Pfefferspray gebrannt. Ein Freund hat auch Flaschen geworfen, er ist ein Antifa-Typ – mein Ding ist das nicht. Aber so brutal, wie die Polizisten aufgetreten sind – das hätte sofort Konsequenzen haben müssen, etwa für den Polizeipräsidenten. Der Untersuchungsausschuss, den sie hinterher eingesetzt haben, ist meiner Meinung nach nur eine Beruhigungsmaßnahme.

Bei der Schlichtung ist auch nicht viel rausgekommen, aber ich habe nichts anderes erwartet. Mehr hat selbst Geißler nicht herausholen können.