Die österreichische Geschichte ist weiß. Die Lebensläufe schwarzer Österreicher aus der Nachkriegszeit, in der Regel Besatzungskinder, kommen nur ausnahmsweise vor, wie etwa die Karriere des oberösterreichischen Fußballers und Torschützenkönigs Helmut Köglberger, geboren 1946 in Sierning bei Steyr, den die Sportberichterstatter gerne "Negerl" oder "Murli II" (zur Unterscheidung von dem brasilianischen Legionär Chico) nannten. Wie sehr Sozial- und Jugendämter die Mütter dazu drängten, ihren farbigen Nachwuchs zur Adoption freizugeben, ist völlig unerforscht.

Eine Seltenheit waren diese Kinder allerdings nicht, allein in Salzburg entstammten, einem Bericht aus dem Jahr 1955 zufolge, 1899 uneheliche Kinder einer Liaison von Österreicherinnen mit GIs der U.S. Army, in der rund fünf Prozent afroamerikanische Soldaten bei den Besatzungstruppen dienten. "Was wir damals an Negerkindern gehabt haben – schrecklich", erzählte einmal eine pensionierte Kinderkrankenschwester der Salzburger Historikerin Ingrid Bauer, die über Geschlechtergeschichte in der Nachkriegszeit forscht. Drastisch schilderte die Zeitzeugin solch eine Geburt: "Ja, der Vater war ein Schwarzer. Und was für einer! Pahhh! Wie ein Orang-Utan hat er ausgeschaut. Ich habe mir vorstellen können, dass der jetzt von einem Baum herunterhüpft, ganz ein Wilder. Na, schrecklich! Er hat eine ganz platte Nase gehabt."

Nach einem anfänglichen Fraternisierungsverbot war es den amerikanischen Soldaten gestattet, private Kontakte zur österreichischen Bevölkerung aufzunehmen. Aus Zeitzeugen-Interviews ist bekannt, dass sich gerade schwarze Soldaten großer Beliebtheit erfreuten, sie galten als gemütlicher als ihre weißen Kameraden. "Mit den Negern sind wir am besten ausgekommen", erzählten die Zeitzeuginnen Ingrid Bauer immer wieder, als sie diese über ihre Beziehungen zu den Besatzungssoldaten befragte.

Dieses besondere Verhältnis zu Afroamerikanern in Uniform erklärt sich auch aus deren Stellung in der Armeehierarchie und in der amerikanischen Gesellschaft: Die Österreicher, die sich durch die Niederlage des Nationalsozialismus und die alliierte Besatzung gedemütigt fühlten, identifizierten sich leichter mit jenen Truppenteilen, die selbst das niedrigste Sozialprestige aufwiesen.

Diese positive Grundhaltung änderte sich jedoch schnell, sobald es um die Beziehung einer österreichischen Frau mit einem schwarzen Soldaten ging. Besonders hart bekamen das jene Frauen zu spüren, die mit den Besatzungssoldaten ein Verhältnis eingingen. Sie wurden in der Bevölkerung "Amischickse" oder "Dollarflitscherl" tituliert und im Fall eines dunkelhäutigen Galans abfällig "Schokoladenmädchen" genannt.

Schlimm wurde es, wenn die Geliebte eines US-Soldaten schwanger wurde. Ledige Mutterschaft wurde oft als Folge von Prostitution denunziert. Diese Frauen wurden rasch als charakterschwach oder, noch nationalsozialistisch geprägt, als asozial eingeschätzt. Die meisten Mütter fanden sich als Alleinerziehende wieder, da die Beziehungen mit den Soldaten, die meist bald wieder versetzt wurden, oft nur von kurzer Dauer waren. Müttern, die nach dem Verbleib der Väter ihrer Kinder suchten, verweigerte die US-Armee generell jede Informationen.

Die Armeezeitung Stars and Stripes warnte im April 1946 die "pregnant Fräuleins", sie dürften sich keine Unterstützung von den Militärbehörden erwarten: "Ein ›Kraft-durch Freude‹-Mädchen, das von der verbotenen Frucht gekostet hat, muss die Konsequenzen selbst auf sich nehmen." Diese Politik verfolgen die USA übrigens bis in die Gegenwart.

Im Unterschied zu Deutschland, wo nach Ende des Ersten Weltkrieges die Franzosen das Rheinland durch farbige Kolonialregimenter besetzt hielten und die Bevölkerung schon zu diesem Zeitpunkt mit dem in Berührung gekommen war, was die "schwarze Schmach" der Besatzungskinder genannt wurde, war dunkelhäutiger Nachwuchs für Österreich ein vollkommen neues Phänomen.