Viele Dutzend Bilder sind so im Laufe der Jahre entstanden, einige stehen in seinem Atelier, viele aber hat er draußen in Heimstetten, in einer Art Privatmuseum, in das er hin und wieder ein paar Freunde zum Nachtmahl einlädt, Peter Handke oder Michael Krüger. Dann ist er immer noch der Dr. Burda, Verlagsmensch, Geschäftsmann , aber eben auch Künstler unter Künstlern.

So hatte er sich das früh schon gewünscht, damals in Offenburg, als bei seinen Eltern gelegentlich einige Maler vorbeischauten und er bald schon einer von ihnen sein wollte, frei und bewundert und klug. "Mit 13 kannte ich alle Cézannes", erzählt er. "Ich lebte eigentlich nur in der Welt der modernen Kunst." Doch dem Vater durfte er damit nicht kommen. Daheim sammelten sie Gemälde, an den Wänden hingen Heckel, Baumeister, Kirchner. Aber der eigene Sohn – ein Künstler?

Sie einigten sich auf Kunstgeschichte. Hubert Burda durfte nach München ziehen, sich einschreiben beim berühmten Hans Sedlmayr und promovierte schließlich über ein Thema des 18. Jahrhunderts, über Die Ruine in den Bildern Hubert Roberts. Der Kommentar des Vaters: "Jetzt habe ich das Unternehmen aufgebaut, und du arbeitest über Ruinen." Mit der Schöngeisterei sollte Schluss sein.

Als Hubert Burda davon erzählt, lehnt er sich weit zurück in seinem Ateliersessel, auch dieser mit braunem Cord bezogen. Erst schließt er die Augen, dann blickt er ins Unbestimmte. "Es war keine glückliche Zeit", sagt er. "Der Rahmen war zusammengebrochen." Die Freunde aus Studientagen konnten und wollten nicht verstehen, dass sich ihr Hubert nicht länger um Antikenromantik, dafür aber um Klatschmagazine kümmerte. Fremd war er nun – in beiden Welten.

"Ich habe da Andy viel zu verdanken", sagt Burda und lacht plötzlich verschmitzt. Wunderbar war das damals, in der Factory des großen Warhol . " Hubert", sagte der. "Hubert, I love your magazine, I love ›Bunte‹." Die ganze Familie hatte sich von ihm porträtieren lassen, im berühmten Andy-Warhol-Stil. "Das kostete gar nicht viel, 50000 Mark für alle zusammen." Wertvoll aber war für Hubert Burda vor allem die Anerkennung. Da war ein allseits geschätzter Künstler, der die Welt der Zeitschriften, die bunte Glitzerwelt umarmte. Für Warhol waren high und low keine Gegensätze. "We are both doing the same", rief er dem Verleger zu. "Eine Erlösung", sagt Hurbert Burda heute.

Er war lange Chefredakteur der Bunten , und angeregt von Warhol, setzte er verstärkt auf Prominenz und Glamour. Die Lust an glänzenden Oberflächen schien ihm jetzt kein Verrat mehr an seiner Liebe zur intellektuellen Tiefenschau. Er vermochte nun beides: den Traditionen des Verlags und damit auch den Erwartungen des übermächtigen Vaters zu gehorchen. Und sich frei dem Schönen und Geistvollen zu widmen. Er vergab hoch dotierte Preise, förderte Institute und Archive, organisierte Kongresse. Und obwohl ihn auch die Hirnforschung, die Digitalisierung, überhaupt die technische Zukunft der Medienwelt gewaltig umtrieb, blieb er doch der Lyrik und ebenso der Kunstgeschichte treu – lesend, diskutierend, schreibend.

Auch dafür zieht er sich nach hier oben zurück, vor allem in den frühen Morgenstunden. Das neue Buch ist so entstanden, zwischen halb fünf und halb sieben. "Das wird jetzt vielleicht etwas sehr intim", sagt Hubert Burda, erzählt dann aber doch, wie er sich morgens auf das Bett mit den vier hohen Pfosten legt, in der Hand ein kleines Diktiergerät, in das er hineinspricht, was immer ihm durch den Kopf geht: über rote Teppiche und die Kanzlerin, über die Cäsaren-Bilder auf den Münzen der römischen Antike als Vorläufer der Warholschen Serialität oder über die Camera obscura . Später tippt jemand das Ganze ab, Burda sieht es durch, schneidet Gedanken heraus und klebt sie in große Brunnen-Kladden, zusammen mit Fotos und Zeichnungen. Es sind Notiz-, Erinnerungs-, Denkbücher, fein säuberlich in lederbezogenen Schatullen verwahrt. "Hmm", sagt er und blättert durch eins seiner Hefte. "Manchmal weiß auch ich nicht mehr recht, was ich mir da eigentlich gedacht habe."