Wenn es einen Look gibt, der dieses Jahr sein großes Comeback gefeiert hat, dann ist es der Preppy-Stil. Außerhalb der Modewelt würde man einfach vom Streber-Stil sprechen. Das Wort preppy kommt aus den USA, wo es sich in den achtziger Jahren in der Oberschicht etablierte. "Preppies" gehen auf Privatschulen (preparatory schools), um später an Universitäten wie Yale oder Harvard zu studieren. Der Preppy verströmt so viel Klassenbewusstsein, dass man das Bedürfnis verspürt, seinen Seitenscheitel zu verwuscheln und ihm die Brille von der Nase zu schubsen.

Zum Preppy-Stil gehören Hornbrille im Look der frühen sechziger Jahre, Chinohosen, Pullover mit V-Ausschnitt und Button-down-Hemden. Gerne gesehen sind auch Poloshirts und Strickkrawatten. Man kombiniert vorzugsweise Grün zu Rosa und Gelb zu Hellgrau – trägt allerdings niemals, niemals Schwarz. Man kann sich Menschen im Preppy-Look schlecht bei schwerer, schweißtreibender Arbeit vorstellen. Sie wollen so aussehen, als seien sie im Wohlstand geboren und auf dem Weg zu noch mehr Wohlstand. Als Gegenbewegung zum schmuddeligen Hipster-Stil zieht man sich heutzutage adrett wie ein Streber an, um Karrierebewusstsein auszudrücken – ohne dafür in einen dunklen Anzug steigen zu müssen. Preppy ist sozusagen die Sommerseite des Erfolges. 

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Der Designer Ralph Lauren gilt als Grundausstatter dieses anständigen Looks, und auch Tommy Hilfiger wird damit in Verbindung gebracht. Zum 25. Geburtstag seiner Marke hat Hilfiger jetzt eine Preppy-Kollektion herausgebracht. Gefragt, was ihn in den Achtzigern mit dem Thema verband, erzählt er: "Den Preppy-Look gab es ja damals schon, aber er war so steif. Ich wollte ihn cool machen." Hilfiger kombinierte Preppy-Mode mit Jeans, arbeitete mit Elementen des Rock’n’ Roll und entriss auf diese Weise den glatt rasierten Elitestudenten ihren Look. Er spielte mit dem Image der Preppies und machte ihren Stil tragbar für alle Amerikaner.

Später wandte sich Hilfiger dem Rap zu – und kam mit ihm aus der Mode. Dass es der Marke heute wieder gut geht, hat auch mit dem Comeback des Preppy-Stils zu tun, den Tommy Hilfiger seinerzeit als zu brav kritisierte. Nun muss er den Seitenscheiteln dankbar sein. Streber gewinnen eben immer.