Aus der Universität Tampere im hohen Norden erreichte uns eine Mail von Benjamin Schlosser. Der 23-jährige Maschinenbaustudent wundert sich über das Wetterchaos, das stets in Deutschland ausbricht, nie in Finnland, wo es deutlich mehr friert und schneit. Wir haben ihn mal angerufen.

DIE ZEIT: Wie ist das Wetter?

Benjamin Schlosser : Im Moment haben wir minus 14 Grad, Wind, etwas Schnee.

ZEIT: Und wie sind die Verkehrsverhältnisse?

Schlosser : Ich hab gerade mal ein paar Webcams durchgeguckt, quer über Finnland. Die Straßen sind frei, die Schwarzdecke ist überall sichtbar.

ZEIT : Und wie sieht’s in Deutschland aus?

Schlosser: Das müssten Sie besser wissen. Aber nach dem, was ich aus den Nachrichten mitbekomme, chaotisch.

ZEIT : Wie erklären Sie sich den Unterschied?

Schlosser : In Finnland wird einfach häufiger geräumt. Dabei ist es nicht so, dass einem hier ständig der Schneepflug entgegenkommt. Aber es liegen nie größere Mengen Schnee auf der Straße.

ZEIT : Wie viel Schnee fällt denn so?

Schlosser : In Helsinki waren es vor Kurzem um die 30 Zentimeter. Die hat man beiseitegeräumt.

ZEIT : Und wie sieht es auf den Flughäfen aus?

Schlosser : Es werden Flüge gestrichen, aber nicht weil sie in Finnland nicht starten können, sondern weil sie in Deutschland nicht landen können.

ZEIT : Sind die Finnen wintertauglicher als wir?

Schlosser : Sie haben vier Monate lang Schnee. Sie sind daran gewöhnt. Und dann sind die Finnen eher ruhige Gesellen. Der Straßenverkehr ist wie eine riesengroße Fahrschule. Wenn da 50 steht, fahren auch alle 50 und nicht 70 oder 80.

ZEIT : Hier fahren jetzt alle 7 oder 8.

Schlosser : Liegt bei Ihnen denn viel loser Schnee?

ZEIT : Vor dem Fenster ist alles weiß, die Bäume, die Bürgersteige, die Autodächer, nur auf der Straße ist bräunlicher Matsch.