Enteiert

Geht es um Stierkampf, leidet man als Laie für gewöhnlich mit dem Stier. Im Fall von Augurio (Stier) und Hernández (Stierkämpfer) liegen die Dinge anders: Der 13. Juni 2010 sollte der große Tag werden im Leben des Christian Hernández. Er war 22 Jahre alt, über hundert Stiere hatte er getötet, aber noch galt er als novillero, als Novize. Nach diesem Kampf würde er endlich den Ehrentitel Matador erhalten. Es regnet am 13. Juni in Mexico City, auf den Rängen der Arena sitzen nur 1000 Zuschauer. Und doch verfolgen Hunderttausende sein Karriereende – verfluchtes YouTube : Man sieht, wie der Torero das Tuch von sich wirft und über die barrera, die Holzwand, hechtet. Augurio, der Stier, bleibt etwas verloren zurück. "Das hier ist nicht mein Ding", sagte er den Reportern, "mir haben einfach die Eier gefehlt." Und schneidet sich sein Stierkämpferzöpfchen ab. Ende, Aus. Das Nachspiel, Teil 1: Hernández wird aus dem Stierkämpferverband ausgeschlossen und soll eine Geldbuße bezahlen, weil er den Vertrag nicht eingehalten, den Stier nicht getötet hat. Teil 2: Der Ex-Torero wird angeschwärmt von Online-Freundinnen aus aller Welt. Laut Süddeutscher Zeitung schreibt eine: "Du hast mehr Eier als alle anderen."

Arnfrid Schenk

Falsche Freunde

Die realen Folgen virtueller Kommunikation bekam eine junge Britin zu spüren. Sie hatte im Internet in ihr Facebook-Profil geschrieben: "Mein Gott, ich hasse meinen Job!! Mein Boss ist ein total perverser Wichser, er zwingt mich, lauter Scheiße zu machen, nur um mir auf die Nerven zu gehen! WICHSER!" Allerdings hatte die junge Frau vergessen, dass sie ihren Vorgesetzten zuvor in den Kreis ihrer Facebook-Freunde aufgenommen hatte. Der Geschmähte meldete sich fünf Stunden später mit einem Kommentar auf ihrer Facebook-Seite. "Hi", schrieb er. "Du hast wohl vergessen, dass du mich hier geaddet hast. Die ›Scheiße‹ nennt sich dein ›Job‹, verstehst du, ich bezahl dich dafür! Aber dass du selbst einfachste Sachen vermasselst, trägt möglicherweise dazu bei, wie du über deinen Job denkst. Offenbar hast du auch vergessen, dass es noch zwei Wochen bis zum Ende deiner Probezeit sind. Du brauchst morgen nicht zu kommen. Ich schicke dir deine Entlassungspapiere per Post. Und ja, ich meine es ernst." Ein Screenshot der Unterhaltung kursiert seither als Mahnung im Internet .

Justus Bender

Sendepause

Pia Beate Pedersen, 42, war Nachrichtensprecherin, doch sie hatte die Nase voll von ihrem Sender, dem Norwegischen Rundfunk (NRK). Zeitverträge, Leistungsdruck und immer das Gefühl, schon mit einem Fuß auf der Straße zu stehen – nein, so ein Leben wollte sie nicht mehr. Also kündigte sie. Morgens um acht. Live im Radio. "Ich werde die Nachrichten nicht lesen, aber ich kann Ihnen sagen, dass nichts Wichtiges passiert ist", teilt sie ihren Hörern mit.

Viele ihrer Kollegen klopften ihr danach auf die Schulter. Ja, pflichteten sie ihr bei, es könne nicht angehen, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender seine Mitarbeiter jahrelang mit einer Festanstellung locke und sie entlasse, kurz bevor sie die nötige Dienstzeit zusammenhätten.

Ein offener Brief Pedersens, in dem sie vor der Sendung ihre Kritik zusammengefasst hatte, verschwand von der NRK-Website ebenso schnell wie der Mitschnitt ihrer Sendung. Nicht allerdings von der YouTube-Seite , wohin eifrige Fans die Audiodatei bereits verschoben hatten. Und so ist Pedersen zu einer Ikone freier Journalisten in Norwegen geworden, deren Worte den Senderchefs digital noch immer in den Ohren klingen. "Ich hoffe, dies führt zu etwas Gutem", schloss sie. "Hiermit kündige ich und verlasse das Studio. Tschüs, und habt es gut."

Jan-Martin Wiarda