Die Arbeit bei KiWi habe durchaus einen seelsorgerischen Aspekt, sagt Dahm. In erster Linie gehe es um die Frage, ob die Menschen bei der Arbeit glücklich seien. "Wer glücklich ist, ist produktiv." Jährlich entgingen der deutschen Wirtschaft mehrere Milliarden Euro durch das Phänomen der inneren Kündigung; wenn also Menschen so frustriert sind, dass sie zwar physisch anwesend, aber nicht mehr leistungsbereit sind.

Wenn KiWi Berater einstellt, ist der fachkundige Umgang mit Menschen das wichtigste Qualifikationskriterium. Unter ihnen befinden sich Theologen, Sozialarbeiter und Psychologen. Alle bringen sie Erfahrungen aus großen Unternehmen, häufig aus der Personalabteilung mit. KiWi rekrutiert bewusst keine Mitarbeiter, die gerade von der Uni kommen. "Wir setzen viel Erfahrung im Wirtschaftsleben voraus. Sonst kann man sich nicht in die Probleme hineinversetzen, die wir zu lösen versuchen", sagt Dahm, der selbst einmal Personalchef eines großen mittelständischen Unternehmens war. Sein Vorstandskollege Clemens Müller-Störr hat eine Manager-Vergangenheit bei Daimler.

Es ist Manfred Dahm wichtig, sich von anderen Unternehmensberatungen zu distanzieren. Er verabscheut den "Beratersprech", der nur zur Verschleierung beitrage. Dabei komme es doch gerade auf Kommunikation an. Alle Beteiligten müssten sich verstehen, keiner solle ratlos zurückbleiben, abgehängt werden. Deswegen heißt bei Dahm das "Office" noch "Büro", und "gestreamlinte", also auf immer gleiche Anforderungsmuster getrimmte Lebensläufe lehnt er nicht nur sprachlich, sondern auch in der Sache ab. Bei KiWi arbeite man in der Regel 40 Stunden in der Woche, mehr nicht. Wie sollte man sonst Führungskräften glaubhaft erklären, wie man sich erfolgreich vor dem Burn-out schützt? Und auch auf der Gehaltsabrechnung steht eine niedrigere Summe als bei den großen Spielern der Szene wie McKinsey oder Boston Consulting Group.

Dennoch bietet Dahm den Konkurrenten in der Beraterbranche mit gesundem Selbstbewusstsein Zusammenarbeit an. "Ich würde gern gemeinsame Projekte mit anderen Beraterfirmen durchführen. Ich glaube, sie könnten auch einiges von uns lernen." Die Berater von KiWi wurden anfangs aufgrund des kirchlichen Etikettes gern in die Sektiererecke gedrängt, inzwischen werden sie aber ernst genommen. Der große Vorteil der Herkunft: Kaum einer kann so glaubwürdig die Begriffe "Mensch", "Wert" und "Sinn" zu einem wirtschaftlichen Beratungsansatz zusammenführen. Gerade hat KiWi bei einer großen deutschen Bank angeheuert: Eine Zukunftswerkstatt soll den Mitarbeitern und schließlich auch den Kunden erklären, dass Sicherheit wichtiger sei als die Höhe der Rendite.