DIE ZEIT: Fressnapf ist weltweit die drittgrößte Kette für Haustierbedarf, mit mehr als 1100 Märkten. Hat Sie der eigene Erfolg überrascht?

Torsten Toeller: Eine gute Idee erkennt man daran, dass ihre Verwirklichung von vornherein ausgeschlossen erscheint. Einstein hat das gesagt. Fressnapf steht für große Märkte, eine riesige Auswahl, gute Beratung und günstige Preise. Klar, ich war von dem Erfolg überrascht. Aber noch überraschter war unsere Konkurrenz. Die hielt es für wahnsinnig, hierzulande Futterbuden aufzumachen.

ZEIT: Sie haben sich das in den USA abgeschaut.

Toeller: In Arizona habe ich vor 20 Jahren erstmals einen riesigen pet store gesehen, so groß wie ein Baumarkt. Ich war damals Marketingleiter im Einzelhandel und dachte mir: Das ist es! In Deutschland gab es nur 3500 kleine Zoogeschäfte...

ZEIT: ...mit Kratzbäumen im Fenster...

Toeller: ...und ohne Parkplätze, in schlechten Lagen, eng und dunkel. Alte Tante-Emma-Läden. Ganz anders war das bei Elektronikläden oder Drogeriemärkten, wo sich große Fachmärkte bereits durchzusetzen begannen. Warum sollte das bei Tierfutter und Tierzubehör nicht funktionieren?

ZEIT: Weil Deutschland nie ein klassisches Haustierland war, anders als die Vereinigten Staaten.

Toeller: Das stimmt. Die Deutschen denken seltsamerweise, dass hierzulande wahnsinnig viele Haustiere leben. Tatsächlich sind es nur sehr wenige. Allerdings geben die Deutschen für sie gerne viel Geld aus. Der Markt war groß genug für uns. Wir konnten im Verborgenen wachsen.

ZEIT: Hatten Sie niemals Angst vor Aldi, Lidl oder den Baumärkten? Dort gibt’s ja auch Tierfutter.

Toeller: Discounter arbeiten sehr kostenorientiert und mit stark reduziertem Sortiment. Das Thema Tiere ist aber sehr emotional, da suchen die Kunden das Gespräch und die Beratung.

ZEIT: Auch während der Wirtschaftskrise?

Toeller: Die Krise haben wir kaum gespürt. Natürlich weiß niemand, wie stark wir sonst gewachsen wären. Aber schlechte Zeiten haben für uns immer auch etwas Gutes: Wenn Menschen viele schlechte Nachrichten hören und Angst um ihren Job haben, besinnen sie sich auf ihr schönes Zuhause. Freunde und Familie werden wichtiger, und dazu gehören eben auch Haustiere.