ZEIT: Sind Goldfische für Sie eigentlich lukrativer als, sagen wir: Katzen?

Toeller: Das kann ich pauschal nicht sagen. Grundsätzlich sind die Margen bei Futter niedriger als bei Zubehör. Einen Kratzbaum kauft man nicht jeden Tag und gibt dann gerne mal etwas mehr dafür aus. Mit Hunden und Katzen machen wir rund 80 Prozent unseres Umsatzes, der Rest verteilt sich auf Nager, Vögel, Terraristik und Aquaristik.

ZEIT: Welche Bereiche wachsen zurzeit?

Toeller: Es gibt einen Trend zum Nager. Die Population wächst stark, weil sich viele Kinder Hamster, Kaninchen oder Degus wünschen. Terraristik ist auch groß in Mode, ich nenne das Wildlife im Wohnzimmer. Viele Menschen mögen Schlangen oder Reptilien. Da ist Potenzial drin.

ZEIT: Wildlife im Wohnzimmer? Klingt bizarr...

Toeller: Jeder muss das für sich selbst entscheiden. Nach 20 Jahren bei Fressnapf habe ich einen gewissen Zugang dazu gefunden und kann die Faszination für Schlangen und Echsen verstehen. Außerdem sehen manche Terrarien einfach superklasse aus. Ich habe zwei Hunde und einen Teich mit 17 japanischen Kois, die auch alle Namen tragen. Spinnen würde ich zu Hause nicht halten. Zu denen kann ich einfach keine Beziehung aufbauen.

ZEIT: Abgesehen von der Spendierlaune, was unterscheidet deutsche und ausländische Tierhalter?

Toeller: In den USA ist alles sehr flippig, da gibt es Hundebekleidung, die Sie sich nicht vorstellen können. Japaner tragen gerne kleine Hunde auf dem Arm spazieren, während die Deutschen stark auf artgerechte Tierhaltung achten, auf gesunde Ernährung und Pflege. In Osteuropa leben sehr viele Tiere, aber die Ausgaben sind noch vergleichsweise niedrig. Acht bis zehn Prozent Wachstum pro Jahr sind dort jederzeit möglich.

ZEIT: Expandieren Sie demnächst in Osteuropa?

Toeller: Wir sind schon in Ungarn vertreten und haben Länder wie Polen oder Tschechien auf dem Plan. Auch ein Markteintritt in Russland wäre denkbar. In Moskau und St. Petersburg könnte ich mir Fressnapf-Märkte gut vorstellen.

ZEIT: Und was planen Sie für Deutschland?

Toeller: Hierzulande haben wir knapp 800 Märkte, da ist noch Platz für etwa 200 weitere. Abgesehen davon müssen wir die bestehenden Fressnapf-Märkte modernisieren und vergrößern...

ZEIT: ...noch weiter vergrößern? Ihre Futterbuden sind doch jetzt schon so groß wie Turnhallen.

Toeller: Das reicht aber nicht mehr. Wir werden mehr XXL-Fressnäpfe eröffnen und "Future Stores" mit modernen Verkaufsflächen auf hohem Niveau. Wir werden künftig auch alle möglichen Dienstleistungen anbieten. Versicherungen, Welpenclub, Hundefriseure oder Kooperationen mit Tierärzten: Das alles gibt es bereits bei uns, und wir werden diese Services weiter ausbauen. Für unsere Kunden wollen wir so die ganze Welt der Tiere abbilden. Außerdem möchten wir den Onlinehandel erweitern. Damit sind wir vor einem Jahr gestartet.

ZEIT: Auch Amazon verkauft seit Kurzem Tierbedarf über das Internet. Beunruhigt Sie das?

Toeller: Amazon ist ein tolles Unternehmen, das damit sicherlich einige Umsätze machen wird. Andererseits braucht man viel inhaltliche Kompetenz im Tiergeschäft. Wir werden die Fressnapf-Homepage zum Haustierportal ausbauen, das alle Fragen rund um die Tierhaltung beantwortet. Wir machen das Leben mit Tieren einfacher und beraten unsere Kunden. Das kann Amazon nicht. Deshalb werden uns unsere Kunden treu bleiben.

Das Gespräch führte Marcus Rohwetter