Der Tag, an dem die Gedankenwelt in Trümmern lag, lässt sich exakt bestimmen. Es war der 23. Oktober 2008. An diesem Tag trat Alan Greenspan , der langjährige Chef der amerikanischen Notenbank Fed, vor einem Ausschuss des Repräsentantenhauses auf. "Maestro" hatte man ihn während des Booms genannt. Nun ging es um seinen Anteil an der Krise.

Greenspan gab sich zerknirscht, als ihn die Kongressabgeordneten befragten. Und dann sagte er den entscheidenden Satz dieser Krise: Er habe doch 40 Jahre geglaubt, das Richtige zu tun. 

Auf dem Höhepunkt der Krise zerstoben Glaubenssätze und Weisheiten. Alles schien infrage zu stehen. Die Selbstheilungskräfte des Marktes. Das Dogma der Deregulierung. Auf dem Prüfstand stand alles, woran eine Generation von Politikern, Ökonomen und Notenbankern geglaubt hatte. Viele gingen davon aus, dass eine neue Debatte entstehen würde – über die Lehren aus der Krise, über eine andere Art von Wirtschaftspolitik, über neue Methoden in der Wissenschaft.

Das war vor zwei Jahren. Heute ist davon nichts mehr zu finden.

Man sieht das in Deutschland am Beispiel der Konjunkturpolitik. Kaum erholt sich die Wirtschaft, kehrt die Unversöhnlichkeit der Vorkrisenzeit zurück. Wer schon immer gegen Konjunkturprogramme war, fühlt sich durch die hohen Staatsschulden bestätigt. Und wer immer schon für höhere Staatsausgaben war, fordert sie nun erst recht. "Das wechselseitige Unverständnis hat sich eher noch verschärft", klagt ein Regierungsberater. Die alten Glaubenssätze sind gefestigter denn je. Bloß warum?