Die Frage "Bist du okay?" ist sehr in Mode. Sie ist das Destillat aus Fragen wie: "Was bedrückt dich?" oder: "Hast du dir wehgetan?" So genau will man’s wohl nicht mehr wissen. "Bist du okay?" bemerkt zwar die Kummerfalten, sieht sich aber außerstande, sie mit Trost zu glätten. Man kann die Frage seinem auffällig stillen Partner stellen. Man kann sie dem Kind aufs verletzte Knie pusten. Man könnte sie aber auch ins Innere einer Dampfturbine sprechen. Derlei Fragen verliert man heutzutage wie das Wild seine Losung im Wald. "Bist du okay?" meint oft nur: "Ich habe gemerkt, dass mit dir was nicht stimmt." La Rochefoucauld hat einmal gesagt: "Wir sind alle stark genug, um zu ertragen, was anderen zustößt." Da kann es doch nicht so schwer sein, sich etwas detaillierter zu erkundigen.

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