Noch vor der Pariser Presse bekamen sie auch die drei Bilder von Neo Rauch zu sehen, die dort seit Kurzem hängen. Sodann das kuriose Einschussloch im Schlafzimmerspiegel, Spur eines Querschlägers aus den Tagen der Kommune 1871 – von ihr hatte keiner der Schüler jemals gehört. Interessanter fanden die jungen Franzosen, fast alle afrikanischer Herkunft, die überall anzutreffenden Anspielungen des napoleonischen Dekors auf den Ägyptenfeldzug: Mohren, Mamelucken, arabische Inschriften.

Das Pariser Programm war vollgepackt: Louvre, Peugeot, Air France, Parlament sowie diverse Empfänge, wie man sie in Paris liebt. Nur zu einem richtigen Praktikum kam es leider nicht. Das französische System ist eben nicht dual, und die Unternehmen zögern, Jugendliche einfach mal mitarbeiten zu lassen. Das klappt in Deutschland besser. Marie Rusch und die Essener Französischlehrerin Petra Thomas konnten immerhin finanzielle Unterstützung finden; das "Deutsch-französische Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung" trägt zu Kost und Logis der Schüler bei. Ansonsten ist das Programm in beiden Städten nur möglich, weil Lehrer und ihre Freunde ihre Verbindungen spielen lassen. Es ist ein Programm von unten, selbst gestrickt, nicht immer perfekt, aber getragen von begeisterten Lehrern. Ja, das gibt es noch.

Abschlussabend in einer Hotel-Berufsschule, Speisen und Service aus der Hand von Auszubildenden. "Das schmeckt ja sogar", sagt einer. War das Essen denn sonst nicht so gut? "Nö. Die Franzosen essen nur so kleine Portionen und braten das Fleisch nicht richtig durch wie bei uns. Aber sonst war es klasse in Paris." Was vor allem? "Der Eiffelturm."