"Go east, young man!" Das müsste man heute einem amerikanischen Durchschnittsstudenten raten, der sein Undergraduate Studium an einem durchschnittlichen College mit einem durchschnittlichen Bachelor’s Degree abgeschlossen hat – und nun an der bestmöglichen Universität ein Masterstudium beginnen möchte. Denn die amerikanischen Top-Unis bleiben ihm verschlossen. Demgegenüber sind die Chancen groß, dass er an einer Schweizer Universität vergleichbaren Zuschnittes zugelassen würde. Und kosten würde ihn das erst einmal fast nichts. Deshalb, junger Amerikaner, ab nach Europa!

Noch wagen zwar nur wenige US-Studenten den Weg über den Atlantik in die Schweiz. Doch ihre europäischen Masterstudenten-Kollegen haben die Universitäten in Zürich, Bern, Basel, Lausanne und Genf entdeckt. Bereits jeder vierte Masterstudent an einer Schweizer Uni stammt aus dem Ausland. Bis 2015 wird es in den Natur, Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften die Hälfte sein. Das rief Rektoren und Bildungspolitiker auf den Plan. Sie fordern Maßnahmen gegen diese Elite-Zuwanderung.

Dabei haben sie sich das Problem selber eingebrockt. Mit der Bologna-Reform.

Deren Kernidee war die Zweiteilung des akademischen Studiums in Bachelor- und Masterprogramme und die Einführung eines Kreditpunktesystems. Beides ist seit je Teil des angelsächsischen Universitätssystems, das in den USA, in England und Teilen Asiens eine lange Tradition hat. Die Schweiz war einer der 29 Erstunterzeichner des Bologna-Abkommens und gleichzeitig ein Musterknabe im Umsetzen der Reformen.

Die Angleichung der europäischen Universitäten an einen weltweiten Standard war richtig. Aber es wurde vergessen: Ein Bildungssystem definiert sich nicht allein durch die Strukturierung des Studiums und vereinheitlichte akademische Titel. Und gerade das Schweizer Bildungswesen mit seinen Besonderheiten ist nur bedingt kompatibel mit der globalen "Bologna-Welt".