3,0 Prozent Preisanstieg für Bahnfahrkarten im Fernverkehr

Auf eines war in der Vergangenheit immer Verlass: Pünktlich zum Fahrplanwechsel im Dezember erhöhte die Deutsche Bahn die Preise. Bisweilen tat sie das sogar zweimal im Jahr, seit 2004 insgesamt achtmal. Für ein Ticket im Fernverkehr muss der Kunde heute im Schnitt 23 Prozent mehr berappen als damals. Zum Vergleich: Die Verbraucherpreise stiegen in diesem Zeitraum um rund 12 Prozent.

Umso überraschender war, dass der Konzern zum Start des neuen Fahrplans am 12. Dezember 2010 erstmals seit acht Jahren auf eine Preiserhöhung verzichtete – zumindest bei Fernreisen . Im Nahverkehr, wo mehr als 90 Prozent der Bahnkunden unterwegs sind, stiegen die Preise dagegen um 1,9 Prozent.

Die Bahn wolle Kunden im Fernverkehr an sich binden und neue hinzugewinnen, hieß es zur Begründung. Doch die sollten lieber nicht auf stabile Preise setzen. Die nächste Erhöhung kommt bestimmt. Ende dieses Jahres könnten Bahnfahrer auf überregionalen Strecken 3 Prozent mehr bezahlen als heute. Das entspräche der durchschnittlichen jährlichen Steigerung seit 2004. Eine ICE-Fahrt von Hamburg nach München ohne Sparpreis würde dann rund 133 Euro kosten, vier Euro mehr als heute. Von Frankfurt nach Köln ginge es für 66 statt für 64 Euro.

Die Bahn, einer der größten Stromverbraucher im Land, dürfte die Preissteigerung mit höheren Energiepreisen rechtfertigen und mit den Lohnforderungen der Beschäftigten in den Tarifverhandlungen. Die neu gegründete Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, EVG (ehemals Transnet und GDBA), will sechs Prozent mehr, die Lokführergewerkschaft GDL fünf Prozent. Schließlich kann sich die Bahn bei der nächsten Preisrunde auf ihre Zurückhaltung im Jahr 2010 berufen. "Solche Kraftanstrengungen" könne sich die Bahn "nur im Ausnahmefall leisten", machte ihr Chef Rüdiger Grube bereits im Oktober klar. Heißt: Die Preise steigen wieder. Kerstin Bund