Wie ein Wurm kriecht Simon* ins Innere der Erde, schiebt sich bäuchlings über nassen Lehm und kantigen Granit, durch einen Stollen, so eng, dass er sich nicht umdrehen, kaum Luft holen kann. Zehn Meter, zwanzig, dreißig. Immer neue Gänge öffnen sich, verzweigen sich wieder und wieder, und überall in dieser modrigen, glitschigen Unterwelt dreschen Männer mit Hammer und Meißel auf den Fels ein, die Gesichter mit Staub bedeckt, die Augen geweitet von der Finsternis.

Simon schlüpft in ein niedriges Gewölbe und beginnt sofort mit der Arbeit. Als kleiner Junge wollte er Tänzer werden, doch mit 14 Jahren war seine Kindheit vorbei, denn er musste sich allein nach Nyabibwe durchschlagen, zu einer der größten Erzminen in der Provinz Südkivu im Ostkongo. "Meine Eltern wurden im Krieg erschossen", keucht Simon. "Ich hatte Hunger. Was sollte ich tun?"