Kunst, so sagen die Banken übereinstimmend, gehöre in ein gut sortiertes Portfolio. Gerne verweisen sie auf historisch belegbare oder gerade eben festgestellte Renditen. Praktische Empfehlungen, welche Kunstwerke sie zur lukrativen Anlagestrategie zählen, machen sie allerdings nicht. Zu flatterhaft die Moden, zu volatil der Markt.

Gabriele Münter zum Beispiel, die vielleicht wichtigste Protagonistin einer heute klassischen Moderne, die in ihren Anfängen alles andere als klassisch war. Sie gehörte zu den von den Kollegen schon mal als "Malweiber" apostrophierten Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine künstlerische Ausbildung anstrebten. Die Akademien blieben ihnen noch verwehrt, es gab Privatschulen für derlei Ambitionierte, zu deren Ausstattung auch die finanzielle Unabhängigkeit gehörte, die künstlerische Marotten und damit den Einbruch in eine Männerdomäne ermöglichte. Nur wenige reüssierten; neben Talent, philosophischer Begabung und Fantasie war ein unzerstörbarer schöpferischer Wille Voraussetzung, wollte man nicht alsbald im Rollenklischee der Künstlergattin landen.

Zur Beurteilung der Werkphasen Münters muss man wissen, dass sie und Kandinsky, ihr Lehrer und Lebensgefährte, erst durch die Nähe zu den weitaus radikaleren Malerkollegen Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin den spätimpressionistischen Duktus ablegten. Ab 1909 verbrachte man die Sommermonate in Münters "Russenhaus" in Murnau am Staffelsee .

Hier entstanden bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als sie mit Kandinsky Deutschland verließ , um in der Schweiz zu leben, ihre beglückten, beglückenden Landschaften. Sie komponierte aus ungemischten, dunkel konturierten Farbflächen ungestüm funkelnde Szenerien mit See und Wald und Haus und Berg. Sie sammelte Volkskunst, Hinterglasbilder, arrangierte sie mit bunten Sträußen und porträtierte diese Tableaus bäuerlicher Innigkeit reduziert auf formgebende Farbwirkung.

Das sind die Bilder Münters, die international begehrt sind. Oft kamen sie von jüdischen Sammlern, die sich und ihre Kunstwerke im Exil in Sicherheit gebracht hatten. Münter, die immer hinter Jawlensky rangierte (von Kandinsky gibt es ohnehin kaum noch etwas auf dem Markt), wurde zusehends teurer. Wo vor einigen Jahren die 150.000-Euro-Marke noch nicht geknackt war, werden heute in Auktionen Preise über 300.000 Euro erzielt. Etwa für das Porträt Marianne von Werefkins, im leuchtend roten Kleid an der Staffelei sitzend, das bei Ketterer diesen Sommer versteigert wurde und anschließend zu ungenanntem Preis den Messekatalog der Münchner Galerie Thomas zierte.