Während der letzten Fußball-WM hat es ein deutscher Tintenfisch zu einiger Berühmtheit gebracht, indem er die Ergebnisse jeweils richtig vorhersagte. So wenig man also künftig dieser Spezies Fußballverstand absprechen kann, so steht doch das Schachspiel ihrem Wesen näher. Man denke nur an die berühmte 16. Partie des WM-Kampfes 1985 zwischen Karpow und Kasparow, als ein schwarzer Springer Kasparows sich entsetzlich dräuend auf d3 im weißen Lager niederließ und "wie ein Krake die weiße Streitmacht lähmte".

Oder dass das Gehirn der Kraken einen Befehl lediglich einem der acht Greifarme erteilt und alles andere von weitgehend autonomen Nervensträngen in den jeweiligen Tentakeln ausgeführt wird.

Vergleichen Sie damit die Aussage des russischen Ex-Weltmeisters Wladimir Kramnik, wenn er sich als "Herr des Spiels" fühlt: "Ich muss dann nicht mehr nachdenken, die große Strategie ergibt sich einfach…Wenn die Hand den nächsten Zug macht, ohne dass ich dabei denke, dann ist das ein großartiges Gefühl." Oder dass Kraken Meister der Tarnung sind – ist nicht auch Schach ein Wettstreit der Finten und Täuschungen? Und schließlich lässt der Tintenfisch Taningia danae seine Leuchtorgane plötzlich grell aufleuchten, um besser zu sehen, was er gleich packen und fressen wird.

Ähnlich zupackend setzte der junge deutsche Großmeister Sebastian Bogner als Weißer bei der letzten Schacholympiade im sibirischen Chanty Mansijsk Bwalya Gillem aus Sambia schön und brutal zugleich in drei Zügen matt. Wie?

Lösung aus Nr. 1:
Welcher opferfreudige weiße Zug gewann ganz schnell? 1.Db5+! Nach diesem reizvollen Damenopfer ist der letzte verbliebene weiße Bauer, der bis dahin kümmerlich am Brettrand herumstand, der Held des Tages. Schwarz gab sofort auf, denn nach 1...axb5 folgt natürlich 2.axb5 matt