An meinen letzten richtigen Traum kann ich mich nicht erinnern, ich schlafe meist sofort ein und bin weg. Seit meinem ersten Album, also seit rund drei Jahren, sind meine Band und ich fast ohne Unterbrechung auf Tour. Wenn wir am Abend ein spätes Konzert spielen, bin ich erst um halb zwei im Hotel. Am nächsten Morgen geht es um acht Uhr weiter, zum Beispiel von Lissabon nach Dortmund. Und dann stehen wir wieder auf der Bühne.

Es heißt ja immer, Popstars hätten ein glamouröses Leben und würden dauernd feiern. In Wirklichkeit arbeitet man hart und ist selten zu Hause.

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Das erste Konzert, das ich jemals sah, war Michael Jackson im Wembley-Stadion, da war ich vier. Meine Schwester und ich waren riesige Michael-Jackson-Fans. Als ich sieben war, ging meine Schwester zum Keyboard-Unterricht. Sie hatte ein Gerät mit vorprogrammierten Rhythmen, zu denen dachte ich mir meine ersten Lieder aus. Als ich elf Jahre alt war, sagte ich: Ich will Gitarre spielen und Songs schreiben. Mein Vater hatte eine Gitarre in der Ecke stehen. Also kaufte ich mir ein paar Lehrbücher und begann, mir selbst das Gitarrespielen beizubringen. Niemand übte Druck auf mich aus. Ich fing einfach an. Inzwischen kann es sein, dass ich ein ganzes Jahr lang kein einziges Lied schreibe – und dann fünf in einer Woche. Das hängt ganz von der Inspiration ab. This Is The Life habe ich in etwa 15 Minuten geschrieben. Nachdem ich die erste Strophe hatte, fügte sich alles wie von selbst zusammen.

Ich habe immer davon geträumt, Sängerin zu sein. Aber ich habe diesen Traum nicht aktiv verfolgt. Man darf von der Musikindustrie nichts erwarten. Das ist ein schnelles Geschäft. Was die Leute heute lieben, hassen sie morgen. Du weißt nie, wie sich die Dinge entwickeln. Mein Traum wäre, dass ich in fünf Jahren immer noch diesen Job mache. Das wäre großartig, denn er macht mich wirklich glücklich.

Manchmal, wenn ich einen Tag freihabe, fahre ich einfach mit dem Auto los, ohne Ziel. Allein die Vorstellung, ich könnte überallhin fahren, wenn ich nur wollte, gibt mir ein Gefühl von Freiheit. Autos haben mich schon immer fasziniert. Mein erstes Auto war ein Mini. Den habe ich mir geleistet, als ich meinen Plattenvertrag unterschrieben hatte. Vor einiger Zeit habe ich mir dann ein größeres Auto gekauft. Ich hatte lange davon geträumt. Als ich es endlich hatte, war es schon ein unglaubliches Gefühl, einfach nur hinter dem Lenkrad zu sitzen. Autos sind eins meiner liebsten Hobbys. Ich würde jederzeit eher Geld für ein Auto ausgeben als für teure Schuhe.

Hinter dem Lenkrad kann ich entspannen. Mein Auto ist ein persönlicher Ort, an dem ich nachdenke, Musik höre – und singe. Ein Bugatti wäre für mich das Tollste. Aber ich bin ein sehr organisierter, disziplinierter Mensch. Ich denke sofort daran, wie teuer allein die Versicherung wäre.

Aufgezeichnet von Ralph Geisenhanslüke

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