Prinz William und seine Verlobte Catherine Middleton © Mario Testino/Clarence House Press Office via Getty Images

Stellen Sie sich vor, Ihre Tochter bringt einen netten jungen Mann mit nach Hause, dem es deshalb besonders gut bei Ihnen gefällt, weil er das nicht kennt: eine Mutter, die für die Familie kocht und backt, Essensdüfte, die das Haus erfüllen, während der Vater das Vogelhaus repariert. Der junge Mann ist es von daheim gewohnt, dass seine gestrenge Großmutter das Regiment führt . Seine eigene Mutter ist früh gestorben, und weil der Vater keine Zeit für ihn hatte und viel mit seiner neuen Frau unterwegs war, kümmerte sich das Personal um ihn. Oder das Internat. Vom Tod der Mutter haben Sie gehört – sie ist zusammen mit ihrem Geliebten, einem als Playboy bekannten Milliardärssohn, i m Auto verunglückt , der betrunkene Fahrer ist gegen einen Pfeiler gerast. Auch von den Eskapaden seiner übrigen Familie haben Sie in der Zeitung gelesen, von den rassistischen Äußerungen seines Großvaters etwa, der Zehenlutsch-Affäre seiner Tante, der Ehe zu dritt, die seine Eltern geführt haben, den Affären der Mutter, dem Bekenntnis seines Vaters, er wäre gern der Tampon im Unterleib seiner Geliebten. Auch des jungen Mannes Bruder ist wegen Trunkenheit und Nazi-Verkleidungen bereits mehrmals in der Presse aufgetaucht; zuletzt machte die bankrotte Tante Schlagzeilen, weil sie für viel Geld einem als Geschäftsmann getarnten Journalisten versprochen hatte, einen Kontakt zu ihrem Ex herzustellen, einem einflussreichen Mann.

Obwohl Sie sich fragen, wo Ihre Tochter da hineingeraten ist, mögen Sie diesen jungen Mann, schätzen seine Bildung, sein gutes Benehmen und müssen zugeben, dass er sehr charmant ist. Und als er, Soldat, der er ist, kurzerhand einen Militärhubschrauber auf der Wiese neben Ihrem Haus landete, um spontan Ihrer Tochter seine Zuneigung zu bekunden, hat Sie das nicht ohne Bewunderung gelassen, auch wenn viele sein Handeln als unreif und eines Soldaten nicht würdig maßregelten.

Dass er Ihre Tochter, die ihn aufrichtig zu lieben scheint, allerdings über Jahre hinhielt, sie nicht fragte, ob sie ihn heiraten wolle, sodass sich Verwandte, Bekannte und Unbekannte bereits darüber lustig machten, das nehmen Sie ihm krumm.

Sie hätten also erleichtert aufatmen können, als er Ihre Tochter im vergangenen November endlich fragte, ob sie seine Frau werden wolle . Aber mit Schrecken blicken Sie auf die Gesellschaft, die sich zur Hochzeitsfeier zusätzlich zu seiner schändlichen Familie um Ihren auch mit bald 29 Jahren noch so mädchenhaft anmutenden Nachwuchs versammeln wird: ein steinreicher alter Schwede, über dessen Umgang mit käuflichen Damen die Gazetten munter spekulieren; dessen Frau, eine Deutsche, die der Welt zur Nazi-Vergangenheit ihres Vaters die Unwahrheit sagte; ihrer beider Tochter, die sich die Hochzeitsreise von einem Millionär spendieren ließ; eine Argentinierin, deren Vater Teil der Militärdiktatur war; ein junger Ehemann, der angeblich auch weiterhin seine Verflossene, ein Dessous-Model, trifft; Frauen, die sich das Autofahren von ihrem Mann gestatten lassen müssen, und Männer, die kuschen, wenn ihre Eltern eine Braut als nicht adäquat einstufen.

Kurz, eine verruchte, dem Lug und Trug, teils auch dem Alkohol und den Exzessen ebenso wie der höfischen Unterwürfigkeit zugeneigte Sippe. Natürlich können sich Eltern da fragen: "Ist das der richtige Umgang für unsere Tochter?" Und man muss nicht überängstlich sein, um zur Antwort zu finden: "Nein!"

Nein, das ist keine gute Gesellschaft, in die Catherine Elizabeth Middleton da einheiratet, wenn sie am 29. April William Arthur Philip Louis Mountbatten-Windsor, Prinz von Großbritannien und Nordirland, heiratet. Unsittlicher wird es bei den Hells Angels auch kaum zugehen.

Und dennoch überschlagen sich die Medien, stehen den Berichterstattern schon die Tränen in den Augen , wenn es darum geht, über "das Top-Ereignis 2011" (Bunte) zu berichten, schließlich fängt jetzt "der irre Hype erst richtig an" (Gala).

Auch die Dramen sind schon programmiert, noch bevor das erste Stück Hochzeitstorte in Williams zarter Braut verschwunden ist. "Bittere Demütigung!", meldet das Echo der Frau, Camilla betreffend, und will wissen: "Hält ihre Liebe das aus?" Denn Camilla, die Tamponträgerin und jetzige Frau von Williams Vater Prinz Charles, werde durch "die Liebe von William und Kate auf eine schwere Zerreißprobe" gestellt. Nach der Eheschließung, so das Frauen-Echo, müsste die 63-jährige Camilla nämlich vor Kate, die dann "Prinzessin Catherine" zu nennen wäre, einen Knicks machen.