Kurz vor dem Fest sah es nach einem Weihnachtsgeschenk aus China für die Europäer aus. Der chinesische Vizepremier Wang Qishan kündigte an, sein Land würde den Euro stärker unterstützen , soweit das überhaupt nötig sei. Richtig nett von ihm, fanden die angereisten EU-Kommissare in Peking. Umgehend stieg der Kurs der Einheitswährung an den Märkten.

Nun machen Staaten aber keine Weihnachtsgeschenke. Was ist also von der chinesischen Bescherung zu halten? Und was sagt es über Schwächen und Stärken des Euro?

Natürlich – das haben Kommentatoren gleich angemerkt – handeln die Chinesen auch bei dieser verbalen Euro-Stützung erst mal im eigenen Interesse. China hortet einen erheblichen Teil seiner Devisenreserven in der europäischen Währung. Schmilzt ihr Wert dahin, wird es auch leerer in den chinesischen Tresoren. Politiker aus der Volksrepublik bereisen in diesen Krisenmonaten des Kontinents gezielt die schwachen Staaten der Union. Sie kaufen ein, zum Beispiel portugiesische Anleihen und griechische Firmen; schon gehört ihnen ein Teil des Hafens von Piräus. Sie gewähren Kredite und gute Worte frei dazu.

Bei so viel Investment erwarten sie sicherlich Gegenleistungen, zum Beispiel wenn die Amerikaner wieder mal über China klagen wegen des Währungs-Dumpings der Volksrepublik zum Zwecke der Exportförderung. Auf die Kautelen weisen die USA daher zu Recht hin. Sie sehen das wirtschaftliche Vordringen Chinas auf allen Kontinenten mit Sorge. Die neue Stärke wird am Ende politische Folgen haben. Es war schon auffällig, wie viele arabische und afrikanische Staaten der Zeremonie für den Friedensnobelpreisträger, den chinesischen Bürgerrechtler Liu Xiaobo, fernblieben. Abhängigkeit hat ihren Preis.

Das gilt in alle Richtungen. Was den Afrikanern die Chinesen, sind den Amerikanern und Europäern ihre Banken, Investoren und die Risikoaufschläge auf den Zins. Die Euro-Krise ist ein abschreckendes Beispiel für die Abhängigkeit, in die sich Staaten durch blinde Verschuldung und mangelnde Bankauflagen gebracht haben.

Nun müssen sie Händlern hinterherlaufen, die mit hoch geröteten Wangen Kurse hoch- und runterjagen. Die den Zusammenbruch von Staaten gar nicht abwarten können. Und die mit Krisengemälden ihr Geschäft machen. Analysten überbieten sich mit apokalyptischen Aussichten für Europa.

Von den Börsenplätzen in New York und London ertönt der Ruf: "Raus aus europäischen Anleihen!" Hier versuchen sich westliche Händler gegen westliche Krisen zu immunisieren. Geht das?

Die Intervention aus Fernost ist da lehrreich. Die chinesische Stützung des Euro folgt einem langfristigen Motiv. Der Euro liegt in den Staatstresoren, Europa ist Chinas zweitwichtigster Exportmarkt, europäische Firmen sind mit internationalen Konzernen eng verflochten.

Deshalb ist die in diesem Jahr verschleppte Reform der Euro-Zone für Europa lebenswichtig, aber auch für die Welt. Kollabiert die Währung, dann trifft es alle großen Volkswirtschaften. Sich vor den Folgen eines Scheiterns zu schützen ist letztlich also kaum möglich. Pekings Wortmeldung folgt dieser Logik, denn sie soll dazu beitragen, dass es gar nicht erst so weit kommt.

Man könnte auch mit Hinweis auf die in den vergangenen Jahren geretteten Großbanken sagen: Unsere Euro-Währung ist too big to fail – zu wichtig, um zu Scheitern. Das könnte am Ende ihre Rettung sein.