Kein Ding sei, wo das Wort gebricht, heißt es bei Stefan George. Damit es das, was Julian Assange tut, auch wirklich gibt, muss also ein Wort her. Hier ist es, die wichtigste Neuschöpfung 2010, dem Englischen entlehnt: das Verb leaken. Ich leake, du leakst, wir leaken, lecken, laufen aus. Ein altes Seemannswort steckt im Leck, das gotische Verb lek-a-, undicht sein. Laut Wieland ("ich bin ganz leck vor Durst und Mattigkeit") kann der Mensch selbst nicht ganz dicht sein, was ja manche vom blassen Herrn Assange behaupten. Vielleicht muss er mehr zur Lecke, wo das Vieh am Salz schleckt. Oder ist er nur ein Lecker, ein Schmarotzer, der sich an anderer Leute Informationen mästet? Jedenfalls leckt (heute sagt man: löckt) er wider den Stachel. Dafür wünscht ihn mancher mit dem Gargantua zum Teufel: "Herein komm auch kein karger Wuchergeier, kein Quittendanzer, Leckarsch".

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