Lenas ZweitwunderWird Deutschland auch den Song Contest 2011 gewinnen?

Unmögliches wird sofort erledigt, Wunder dauern etwas länger. Herstellbar aber sind auch sie geworden, zumindest manchmal, wie wir spätestens seit dem 29. Mai des verflossenen Jahres wissen, als es Punkte von allen Seiten – Israel einmal ausgenommen – auf ein sympathisches, leicht hyperaktives Hannoveraner Mädel regnete und ein Frühlingsmärchen wahr wurde.

Was als Wunder von Oslo in die Annalen der Fernsehunterhaltung eingegangen ist, war im Rückblick das Meisterstück der Lancierung einer Marke namens Lena, mit allem, was dazugehört: Einen Sommer lang ließ uns die Riesenpopulismusmaschine Stefan Raab spekulieren, warum Lena so natürlich ist, woher sie ihr Englisch hat und was das für Deutschland im Allgemeinen und Hannover im Speziellen zu bedeuten hat. In Bayern soll es sogar zu einem signifikanten Anstieg des Namens Lena bei Neugeborenen gekommen sein.

Was nun die weiteren Zukunftsaussichten anbelangt, so ist davon auszugehen, dass die neue Lena gerade designt wird: ganz sie selbst, nur anders, möglicherweise noch natürlicher. Kein Prophet muss man auch sein, um an dieser Stelle vorherzusagen, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen beim ersten offiziellen Wunderwiederholungsversuch der Eurovisionsgeschichte zu den Gewinnern gehören wird: Mit den bewährten, beim Publikum beliebten Vorentscheiden wagt die ARD – Facebook, Telefon und SMS sei Dank – schon von Januar an mehr Mediendemokratie. Dass wir alle bei den Semifinals sowie der Endrundenübertragung aus Düsseldorf im Mai mitfiebern werden, ist, genau wie bei Fußballweltmeisterschaften, sowieso Bürgerpflicht. Nicht ganz so günstig fällt die Prognose für Lena selber aus: Marken zu etablieren ist das eine, sie stabil zu halten der eigentliche Eiertanz.

Die Konkurrenz schläft nun einmal nicht: 2011 könnte eine Schwemme von kleinen Karl-Theodors und Stephanies auf uns zukommen. Das größte Problem aber ist nicht die Quote, sondern die uralte stoffelige Wahrscheinlichkeit. Wunder gibt es immer wieder . Dass es zweimal dieselbe trifft, kommt hingegen im Märchen so selten vor wie in der Statistik.

Von Thomas Groß