DIE ZEIT: Viele Rennsportfans werden den Eindruck nicht los, dass Bernie Ecclestone , der Formel-1-Impressario, Konzerne wie Mercedes, BMW oder Ferrari wie an einem Nasenring durch den Formel-1-Zirkus zieht. Ist das ein falscher Eindruck?

Norbert Haug: Das Bild ist falsch. Mercedes-Benz hat in der Formel 1 immer selber gelenkt und gesteuert. Dass von außen betrachtet der Eindruck entstanden sein kann, wir seien durch die Arena geführt worden, mag sein. Für uns ist die Formel 1 eine weltweite Bühne, auf der wir unsere Marke und ihren Willen zum Wettbewerb bestens präsentieren können. Was Ecclestone betrifft: Wir, die Teams, haben versucht, unsere Rechte so durchzusetzen, wie wir uns das vorstellen – und da sind wir mittlerweile ein sehr gutes Stück weitergekommen.

ZEIT: Um dieses Ziel zu erreichen, haben Sie im Verein mit anderen Teams Ecclestone mehrfach angedroht, eine eigene Rennserie aufzulegen. Sieht so brüderliche Eintracht aus?

Haug: Bernie Ecclestone ist niemand, der sich mit zwei zufrieden gibt, wenn er drei bekommen kann. Das ist sein gutes Recht. Aber das Ergebnis unserer Verhandlungen ist, dass die Teams inzwischen deutlich mehr von den Vermarktungsgewinnen der Formel 1 profitieren...

ZEIT: ...die Rede ist von 50 Prozent, die Ihnen Ecclestone mittlerweile überlässt...

Haug: ...das möchte ich nicht kommentieren. Was ich bestätigen kann: Heute können sich die meisten Formel-1-Teams aus diesen Einnahmen und den Sponsorgeldern finanzieren.

ZEIT: Man hört, dass die Teams künftig 75 Prozent der Einnahmen für sich reklamieren wollen, ist nach Ihrer Einschätzung damit Ecclestones Schmerzgrenze endlich erreicht?

Haug: Wir verhandeln hinter verschlossener Tür, ich bitte da um Ihr Verständnis. Es wäre nicht klug, Verhandlungsstrategien in den Medien zu besprechen.

ZEIT: Wenn man Sie so hört, dann steht mit der Formel 1, dann steht mit Mercedes eigentlich alles zum Besten?

Haug: Wir sind in der letzten Saison – unserer ersten mit eigenem Team – Vierter geworden. Das ist für unsere Ansprüche nicht gut genug, aber eine ordentliche Startbasis. Schließlich sind wir im Jahr 2010 erstmals wieder mit unserem eigenen Rennstall Mercedes GP Petronas angetreten. Ein solcher Neustart braucht Anlaufzeit. Wir werden uns sukzessive steigern, das verspreche ich!

ZEIT: Das Weltmeister-Team des Jahres 2009 soll dem Vernehmen nach von Bernie Ecclestone zur Belohnung 60 Millionen Dollar aus den Vermarktungsgeldern bekommen haben. Fast die gleiche Summe kann jetzt bei der Bayern-LB nicht zugeordnet werden. Man weiß nicht, warum dem ehemaligen Risikomanager Gerhard Gribkowsky rund 50 Millionen Dollar gutgeschrieben wurden. Wie die Münchner Staatsanwaltschaft mitteilt, stammt das Geld angeblich aus der Formel 1.

Haug: Ich finde es sehr unschön, was da über die Formel 1 gemutmaßt wird. Ich kann mir darauf keinen Reim machen und möchte auch kein schwebendes Verfahren kommentieren.