Am Anfang stand eine kleine Sinnkrise. Die überkam den Kunststudenten Max Aufischer Ende 1974. Bis dahin hatte der Grazer an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien studiert – und alle Aufforderungen der Behörden, zum Bundesheer einzurücken, ignoriert. Dass die Regierung Kreisky in jenen Tagen mit einem neuen Gesetz die Möglichkeit geschaffen hatte, einen Wehrersatzdienst abzuleisten, kam dem 22-jährigen Steirer gerade recht. Der Malerei ein wenig überdrüssig, machte sich der junge Mann in Richtung Innenministerium auf und meldete sich zum Zivildienst. "Ich hab mir gedacht: Das mach ich jetzt einfach", erinnert er sich ganz ohne Pathos. Am 1. April 1975 trat Max Aufischer, der erste Zivildiener Österreichs, seinen Dienst beim Roten Kreuz in Graz an. Die Dienstplakette mit der auf der Rückseite eingestanzten Nummer 1 kam damals weniger gut an: Immer wieder wurde er auf der Straße als "Drückeberger" beschimpft.

35 Jahre später sind Zivildiener aus dem österreichischen Sozialsystem nicht mehr wegzudenken. Knapp 13.000 Männer wurden vergangenes Jahr den Rettungsdiensten, Behindertenorganisationen, Altenheimen, Feuerwehren und Krankenhäusern des Landes zugewiesen, durchschnittlich waren 9300 Zivildienstleistende während ihres neunmonatigen Dienstes in insgesamt 1100 Einrichtungen im Einsatz. Jeder dritte Wehrpflichtige entscheidet sich gegen den Kasernenhof-Drill und für den Dienst am Menschen – nirgends in Europa liegt dieser Anteil höher. Über die Jahre hinweg hat sich der Zwangsdienst zu einer wichtigen Säule des Gesundheits- und Pflegesystems entwickelt. Das wurde der Kanzlerpartei SPÖ in den vergangenen Wochen in Erinnerung gerufen, als die von ihr losgetretene Debatte um das Ende der allgemeinen Wehrpflicht die Vertreter der Trägerorganisationen prompt in Aufruhr versetzte.

Der Wegfall der Helfer würde zu einem radikalen Einschnitt im Sozialsystem führen, warnte etwa Fredy Mayer, der Präsident des Roten Kreuzes, jener Einrichtung, die mit Abstand die meisten Zivildiener beschäftigt. Sollten alle 13.000 Zivildiener durch hauptamtliche, nach Kollektivvertrag bezahlte Mitarbeiter ersetzt werden müssen, kämen auf die Organisationen Personalkosten in Höhe von 200 bis 350 Millionen Euro zu, rechnete Mayer der Regierung vor. Im Vergleich zu den 85 Millionen Euro, die Bund und Sozialeinrichtungen in diesem Jahr für die Helfer ausgaben, tat sich da plötzlich eine enorme Budgetlücke auf. Dieser Summe stehen bislang nur Schätzungen gegenüber, wie viel das Zivildienerheer tatsächlich kostet. Gewiss ist nur eines: Die vermeintlichen Billig-Helfer sind teuer. Viel teurer, als es deren kärgliche Entlohnung vermuten lassen würde.

292,50 Euro beträgt die Pauschalvergütung für Zivildiener im Monat. Daneben berappt der Bund etwa 90 Euro Sozialversicherung und erstattet Wohnbeihilfe sowie Fahrtkostenersatz. Zusätzlich fallen Verpflegungskosten zwischen 10,40 und 16Euro pro Tag an. Der genaue Betrag hängt vom jeweiligen Einsatzbereich des Zivildieners ab. Zieht man einen Wert von 12 Euro pro Tag heran, kostet jeder Helfer etwa 750 Euro im Monat. Macht in Summe für die durchschnittlich 9300 Zivis, die 2010 im Dienst standen, 85 Millionen Euro. Knapp 60 Millionen stammen aus dem Budget der staatlichen Zivildienstagentur, für den Rest kommen die Hilfsorganisationen auf.