Ihr Saatgut taufen Bauern weltweit mit Bedacht und oft mit Witz. "Das ist Alan Cash!" Sylvester Addy deutet auf eine zartgrüne Kuhbohnenpflanze, die auf seinem Demonstrationsfeld bei Kumasi in Ghana wächst. Die Bezeichnung spiele auf den Spitznamen eines früheren Ministers an, sagt der junge Agronom schmunzelnd. Der habe gern "Bargeld für die Taschen der Bürger" versprochen – und das erhoffen sich die Bauern auch von der besonders ertragreichen Pflanzensorte.

Für viele Ghanaer ist die Hülsenfrucht die wichtigste, oft einzige Eiweißquelle, zubereitet mit scharf gewürztem Reis, rotem Palmöl und gebratenen Platanen (Kochbananen). Doch leider hat auch der Fransenflügler Thysanoptera Appetit auf das Gewächs – und ruiniert die Ernte. Gegen das gefräßige Insekt versucht Sylvester Addy einheimischen Sorten eine Resistenz einzukreuzen.

Das Kuhbohnenprojekt am nationalen Council for Industrial Research (CSIR) gäbe es nicht ohne einen Sponsor, der Tausende Kilometer entfernt in Seattle lebt: Bill Gates. Bekannt sind der Microsoft-Gründer und seine Frau Melinda für ihre globalen Hilfsprogramme gegen Malaria und Aids. Doch vor fünf Jahren hat ihre Stiftung auch der beschämendsten Menschheitsgeißel den Kampf angesagt: dem Hunger. Bei den Diskussionen der Internationalen Grünen Woche in Berlin wird in diesen Tagen wieder deutlich werden, wie viel Hilfe gebraucht wird.

Über atemberaubende 36,4 Milliarden US-Dollar verfügt die Gates-Stiftung. Das macht sie zur größten Wohlfahrtsorganisation der Welt, und jedes Jahr fließen weitere Spendenmilliarden aus einem Aktienpaket des Finanzinvestors Warren Buffet dazu. Aus diesem Füllhorn will das Wohltäterpaar besonders Kleinbauern im südlichen Afrika zu reicheren Ernten verhelfen. Denn ausgerechnet sie sind am meisten von Unterernährung bedroht. Gerade die Kleinbauern wurden seit den neunziger Jahren vernachlässigt – obwohl sie, wie Gates sagt, "nicht das Problem sind, sondern die Lösung".

Im Jahr 2006 rief die Bill & Melinda Gates Foundation als Sponsor Agra ins Leben, die "Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika". Grüne Revolution, damit wird die Intensivierung der Landwirtschaft in den sechziger Jahren bezeichnet. Auch deren größter Protagonist von damals, die Rockefeller-Stiftung, ist wieder mit von der Partie. Agra-Präsident wurde der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan. Die Allianz hat ihre eigene Agenda, unabhängig von "BMG", wie Experten die Gates-Stiftung flapsig nennen. Insgesamt wurden bislang 1,6 Milliarden Dollar an Agrarforscher und Hilfsorganisationen verteilt.

"Selten in der Geschichte der Wohltätigkeit hatte eine Stiftung – besser: ein einzelner Mann – so viel Macht", kommentierte die US-Zeitung The Nation. Umso brisanter ist die Frage nach Gates’ Prioritäten: Nutzt und fördert "Bill Cash" das wirkungsvollste Wissen? Auf wen hört er?